Die Last der Vergangenheit – Niklas Frank über Schuld und Erinnerung
Shownotes
Der Nationalsozialismus ist das am besten erforschtes Thema der jüngeren Geschichte. Doch 80 Jahre nach dem Ende des «Dritten Reichs» droht die Erinnerung an das Schreckensregime Hitlers, den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg zu verblassen. Die Zeitzeugen, die über das damalige Grauen berichten können, werden immer weniger. Der Autor Niklas Frank kämpft gegen dieses Vergessen. Hans Frank, sein Vater, war Hitlers Starjurist, ging als «Schlächter von Polen» in die Geschichte ein und wurde 1946 als einer der Hauptkriegsverbrecher in Nürnberg hingerichtet. Als «Täterkind» arbeitet der 1939 geborene Niklas Frank seit Jahrzehnten schonungslos die eigene Familiengeschichte auf. Im Gespräch mit Marc Tribelhorn, Historiker und stellvertretender Feuilletonchef der NZZ, spricht Niklas Frank über seine dunkle Familiengeschichte, die Probleme der Erinnerungskultur und die politischen Herausforderungen der Gegenwart. Wie lebt man mit dem Wissen, Sohn eines Naziverbrechers zu sein? Welche Verantwortung tragen wir als Gesellschaft in Zeiten zunehmender Judenfeindlichkeit?
Aufnahme: 24. März 2026
Gast: Niklas Frank, Journalist und Autor
Host: Marc Tribelhorn, Stv. Feuilletonchef «Neue Zürcher Zeitung» und Historiker
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Bild: © Schweizer Radio und Fernsehen
Transkript anzeigen
00:00:02: N-Z-Z Live.
00:00:16: Demnse Platz, Herr Franklach!
00:00:18: Soll ich Ihnen ein bisschen Wasser reingießen?
00:00:20: Nee, braucht's nicht.
00:00:23: Gut, beginnen wir doch.
00:00:25: Guten Abend meine Damen und Herren.
00:00:27: Ich begrüße Sie zu N-z-Z live.
00:00:30: Es freut mich sehr, dass sie so zahlreich erschienen sind.
00:00:33: Die Veranstaltung ist schon seit Längem ausverkauft.
00:00:36: es freut sich sehr das dieses Thema offensichtlich auf ein großes Interesse stößt.
00:00:42: Das ist nicht selbstverständlich.
00:00:44: Wir sprechen ja über eines der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte, das kann man so sagen.
00:00:49: Und derzeit sind wir auch nicht gerade unterversorgt mit belastenden Nachrichten aus aller Welt von Krieg und Krisen.
00:00:59: Mein Name ist Marc Tribbelhorn.
00:01:01: ich bin Historiker und Journalist bei der Einzizett und ich bin sehr dankbar Dass Sie, Niklas Frank den weiten Weg vom hohen Norden Deutschlands hier nach Zürich...
00:01:13: Mit deutschen Zügen.
00:01:14: ...mit deutscher Bank!
00:01:15: Genau also ein Wunder das er überhaupt hier ist.
00:01:21: Freut mich sehr dass sie das Hauptsicht genommen haben.
00:01:24: für dieses Gespräch.
00:01:25: herzlich willkommen vielleicht zum Vorgehen wie es abläuft heute Abend.
00:01:29: wir werden zur zweiten Sonde eine Stunde diskutieren.
00:01:33: Dann werden auch Sie die Möglichkeit haben, Fragen zu stellen.
00:01:35: Das ist in der letzten halben Stunde und dann hoffen wir, dass es ein guter Erkenntnisreicher aber auch vergnüglicher Abend geworden sein wird.
00:01:47: Nun, Zeitzeugen der Nazi-Verbrechen sind selten geworden.
00:01:52: Es ist altusbedingt immer weniger Leute, die das selbst miterlebt haben, sie noch da.
00:01:58: Sie sind vor wenigen Tagen, sind sie siebenunddachzig Jahre alt geworden.
00:02:03: Sie gehören dazu.
00:02:04: Sie sind ein... Das tündet es ein bisschen merkwürdig aber sie ist ein sogenanntes Täterkind.
00:02:08: das ist quasi der Terminus Technicus für sie.
00:02:12: Ihr Vater war Hans Frank Ein fanatischer Jünger Adolf Hitler.
00:02:17: Er war dessen Anwalt.
00:02:19: er war später Kronjurist des Dritten Reiches War zuständig Für die juristische Gleichschaltung.
00:02:26: Im zweiten Weltkrieg war er dann sogenannte Generalgouverneur über das besetzte Polen und damit über das größte Menschenschlachthaus, dass es je gegeben hat.
00:02:37: Wie es der Holocaust-Überlebende Ralf Giordano einmal genannt hat.
00:02:42: Ihr Vater galt bei den Alliierten als Butcher of Poland also schlechter von Polen.
00:02:48: im Oktober nineteen sechsinvierzig bald vor sechszig Jahren wurde er aus einer der Hauptkriegsverbrechen Nürnberg gehängt unter anderem wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
00:02:59: Entschuldigung, siehzig Jahre habe ich gesagt, es waren natürlich achtzeig Jahre.
00:03:03: Sie lieber, Niklas Frank, waren damals sieben Jahre alt.
00:03:07: Sie haben dann später studiert.
00:03:09: Germanistisch?
00:03:10: Nicht
00:03:10: beendet!
00:03:11: Aber sie haben natürlich studiert auch ohne Abschluss.
00:03:15: Aber sei es darum danach waren sie sehr lange, quasi Berufskollege von mir, sie war ein Journalist und Reporter beim deutschen Magazin Stern Mitte.
00:03:26: Ende der Achtzigerjahre haben Sie begonnen, Ihre Familiengeschichte akribisch aufzuschreiben und zu dokumentieren.
00:03:33: Damit haben sie nie aufgehört – das Thema verfolgt Sie sozusagen bis heute.
00:03:38: Zuletzt erschien von Ihnen das Buch mit dem Titel «Meine Familie und Ihr Henker».
00:03:43: Stimmt dich!
00:03:45: Das letzte Buch ist zum Ausraten wieder bereit?
00:03:48: Fragezeichen.
00:03:50: Da hat einer schlechter recherchiert.
00:03:52: Genau.
00:03:53: Jetzt habe ich super Werbung gemacht für das andere Buch, also ich sage den Titel trotzdem weil es beim Dienstverlag gut erhältlich.
00:04:01: Ich habe sogar hier meine Familie und der Henker, der schlechter von Polen sein Nürnberger Prozess und das Trauma der Verdrängung.
00:04:10: Nun hören wir aber zuerst einleiten ein paar Tag aus ihrem ersten Buch zum Thema Der Titel damals – Der Vater.
00:04:19: eine Abrechnung Bitte sehr!
00:04:22: Ich lese deswegen anderthalb Seiten, damit Sie wissen, warum ich seitdem das PULS-Noyzerts' eighty-seven rausgekommen habe.
00:04:31: Ich verkaufe es heute immer noch recht gut im Eigenverlag und muss da mit einem Nerv getroffen haben.
00:04:38: Damit Sie überhaupt wissen, wieso ich letztlich auch hier sitze!
00:04:43: Goldversagen sahen zu Reichsfrauen ein.
00:04:46: Sie hatte kein Orgasmus als du kamst, als ich kam.
00:04:49: Sie hätte nie hohe Gefühle wenn du aufgelagst feist wie du damals warst als du mich zeugtest.
00:04:55: Du wusstest das nicht?
00:04:57: Ich weiß es von Tante Margut was Männer nur daran finden staunte Mutter gebar zigfach und zickfach.
00:05:03: daneben Warst immer du der Vater?
00:05:06: Gebaar mich dir dem Reichsminister ohne Portfeu den Präsident in der Akademie für deutsches Recht dem Generalgouverneur von Polen.
00:05:14: heute blutige Fußnot der Zeitgeschichte.
00:05:17: Gehängt Gott sei Dank, verbrannt und verschüttet im Konvensbach zu Sollen bei München!
00:05:23: Deine Arsche verpappt mit der von Göring, Streicher und Rippentropf, von Jodl und Kaltenbunner, von Frick, Keitel, Seiß-Inquart, von Zaukel und Rosenberg.
00:05:33: wie ekligt dieses Gebäude?
00:05:35: wasserlöslicher Nazi Näscafe?
00:05:38: Dein Foto liegt vor mir, wie du noch frisch im Tod auf der Decke rußt mit kaputten Genick.
00:05:44: Die Augen geschlossen, den Mund halb geöffnet.
00:05:48: hast du dich auf die Vollen Lippen.
00:05:51: eine Idee zu blass vielleicht?
00:05:53: Hast du dich auf die Lippen gebissen unter der schwarzen Haube beim freien Fall?
00:05:58: Schöne deine Hände, die Finger so lang.
00:06:00: Man sieht ihnen was Socken und Tünen an!
00:06:03: Unser garziös in der Haltung, das hättest Du als die Falttür sich öffnete beim Ober- nacht der Rechnung geschnippt.
00:06:09: Dabei weiß ich dass Du beim Sterben gefesselt warst – auf dem Rücken die Hände auch die Knöchel der Füße zusammen.
00:06:16: Der Anzug steht dir, indem du dein Leben ausgebaut hast.
00:06:19: Oder zog man ihn erst hinterher an und wuscht dir das Blut von den Lippen?
00:06:23: Weil du beim Abwärts mit dem Kind gegen den Hölzer in Klappenrand knalltest.
00:06:28: Schade wenn du dabei KO gegangen wärst!
00:06:31: Ich
00:06:31: finde
00:06:32: auch den letzten Zentimeter Seil bis zum Ruck kannst du verdient bewusst zu erleben.
00:06:37: Ja ich gebe dir recht US-Hänker Wurz Das war ein mieser Henker ohne Sinn für Details wie das richtige Maß der Falltür.
00:06:44: Wie freute sich Mutter, als sie von seinem Ende hörte.
00:06:48: Mutter und ich wir tranken zur Feierbohnencafé ausgrennen beim Ausprobieren eines elektrischen Stuhls.
00:06:55: Niklas, wenn das kein Zeichen des Himmels ist, beschwore Mutter den Herrn zum Rächer der Nazis!
00:07:01: Als ich deinen toten Foto zum ersten Mal sah, war ich benommen.
00:07:05: Jetzt kotzt es mich nur noch an dein totes Gesicht auf dem deine Lügen nicht mit
00:07:10: starben.".
00:07:15: Das Bild haben wir hinten eingeblendet?
00:07:18: Ich zitiere nochmals, jetzt kotzt es mich nur noch an dein totes Gesicht auf dem deine Lügen nicht mitstaben.
00:07:25: Sie haben diese gnadenlosen Sätze vierzig Jahre nach der Hinrichtung ihres Vaters geschrieben und sind nochmals vierzig Jahren vergangen.
00:07:33: das Buch erschien in siebenundachtzig.
00:07:34: geschrieben haben sie ist sechsendachtzig.
00:07:37: Wie ist es heute für Sie wenn Sie das lesen?
00:07:40: Wenn ich selber lese,
00:07:41: tue
00:07:41: ich dich, ich lese nur vor Ich werde oft eingeladen in gymnasienvollzugsschulen, aber auch von privaten Vereinen.
00:07:50: Da lese ich immer ungefähr vierzig-fünfervierzig Minuten mehr von diesem und dann ist es eine große Pause weil sie alle erschocken sind.
00:07:59: und dann sage ich mir wenn jetzt nicht bald die erste Frage kommt lese sich weiter und dann kommen langsam die ersten Fragen übrigens immer zuerst in den Schulen die Mädels weil die immer mutiger sind Und bei den öffentlichen Verhandlungen ist meistens ein älterer Herr.
00:08:18: Gut, da bin ich so ein Mittelding und frage jetzt weiter.
00:08:21: Ich wollte natürlich darauf hinaus, was Sie da empfinden?
00:08:25: Ist es Verachtung, Wut, Hass oder vielleicht auch das Gegenteil eine gewisse Gleichgültigkeit nach all den Jahren?
00:08:32: Nimmt das ab?
00:08:33: Nein!
00:08:34: Gleichg gültigkeit schon gar nicht.
00:08:36: Ich schreibe da in dem Buch eighty-seven je mehr ich über dich erfuhr, desto mehr hasste ich dich.
00:08:42: Der Hass ist längst weg, es gewichen einer abgrundtiven Verachtung.
00:08:49: Das ist so was heute und ich werde täglich wütend weil noch haben wir eine freie Presse.
00:08:56: Ich kann täglich in irgendeinem Artikel etwas lesen Was mich an den Vater und seine Politik erinnert auch bei uns in Deutschland selbst die sogenannten demokratischen Parteien Knappern hier und da, dort an unserer Demokratie die für die beste Halt in der wir je gelebt haben.
00:09:17: Darauf kommen ja sicher noch was ich mich noch interessiert.
00:09:20: als das Buch erschien, siebenundachtzig hat es große Wellen geworfen und zwar nicht so wie man das vielleicht vermuten könnte im positiven Sinn.
00:09:29: Es hat auch negative Reaktionen, es hat Kontroversen ausgelöst.
00:09:33: Es wurde als unanständig angeschaut, als obszön.
00:09:37: Sie wurden als Nestbeschmutzern hingestellt, als einer der gewissermaßen das vierte Geburt verletzt hat.
00:09:43: Nämlich Ehre du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.
00:09:48: Wie war das für sie?
00:09:48: Waren Sie überrascht?
00:09:50: Ich war sehr überrasacht weil ich vor allem dachte die alle anderen Journalistinnen und Journalisten haben dieselbe Meinung wie ich.
00:09:58: Und da war ich aber doch sehr überascht.
00:10:00: und im Übrigen ... Das wurde ungefähr ein Fünftel des Buchs wurde im Stern vorabgedockt.
00:10:09: Und es kam nur negative Leserbriefe, sodass die Chefredaktion dann eine kleine Bandel zusammenstellte, die wir haben sämtliche Intellektuellen und Künstler- und Kunstschaffende angeschrieben, ob sie nicht um Bitte bitte ein paar positive Zahlen schreiben damit wir irgendwie so einen Gegensatz schaffen konnten.
00:10:30: das waren eigentlich nur negative Briefe Und auch die Journalisten ruiniert, hat mich endgültig.
00:10:36: Die Zeit hatte immer links so eine Glosse und die haben mich einfach als krankenpsychiatisch zu behandeltes Kind hingestellt.
00:10:46: Und da die Journalistin sie natürlich nicht und ich auch nicht voneinander abschreiben war damit die Gesamtmeinung innerhalb des deutschen Journalismus gesetzt.
00:10:57: Jetzt in der Rückschau zeigt sich ja doch eine ... soll ich sagen eine?
00:11:02: Jetzt positiv gewinnt eine erstaunliche Sensibilität.
00:11:06: Quasi wurde Ihnen Pietätlosigkeit vorgeworfen?
00:11:11: Ich habe mir dann später belegt, ich brauche für manches eine sehr lange Leitung.
00:11:16: Das filmen wir erst vor ein, zwei Jahren.
00:11:19: Warum waren die ganzen Kritiker so gegen mich?
00:11:22: und da fiel mir ein, wenn sie das Buch lesen ... Erinnern Sie sich automatisch an ihre eigenen Eltern und Großeltern und fangen sich an zu giften, weil sie nicht Ähnliches gemacht haben wie ich.
00:11:36: Das überhaupt mal nachschauen?
00:11:37: Was haben die eigentlich gemacht während des Dritten Reichs?
00:11:41: Und ich glaube jedenfalls finde ich das als Kükenpsychologe betrachtet nicht schlecht ... Die haben sich alle geärgert!
00:11:48: Weil ich glaube, das klingt jetzt angewascht, aber ich glaub war der Einzige, der mal richtig nadenlos abgerechnet hat mit seinen Eltern.
00:11:57: Aber sie fanden es auch unanständig die Kritik, weil ja quasi die Opferperspektive gar nicht berücksichtigt wurde.
00:12:03: Was den sechs Millionen Juden widerfahren ist zum Beispiel das ist ja nichts im Vergleich zu den Worten, die Sie wählen in dem Buch auch wenn die zum Teil polemisch gewählt sind.
00:12:13: Ja
00:12:13: ich würde sagen es sind genau die Opfern, die aus mir sprechen dass das eben nicht mehr zugedeckt wird wie Sätze Es war eine wilde Zeit und du hast da nicht wirklich gelebt und so weiter.
00:12:26: all dieser Dreck Und dem habe ich halt, wie Sie merken, auch mit vielen Vollletterwörts widersprochen.
00:12:33: Das hat die Leute nicht gefallen, weil sie sich alle Plätze hier in der Damm bewussten ja alles.
00:12:39: Es gibt ein Psychiater in Österreicher, der schon in den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts nach Amerika ausgewandert war und zurück kamen mit den Amerikanern.
00:12:49: Die erste befreite Großstadt im November-IV war Aachen Und der ist rumgegangen, hat jung und alt.
00:12:59: Und die haben alle gesagt ganz offen ... Wenn wir den Krieg verlieren, dann wird es uns dreckig gehen, weil das was wir den Juden angetan haben.
00:13:09: Das waren sie alle noch befreit.
00:13:12: Und ab achtem Mai im Tag der totalen Kapitulation wurde alles verschwiegen.
00:13:19: Das
00:13:20: hatte auch Hanar in T-Kurz?
00:13:22: Nach Kriegsende in Deutschland war bemerkt, eine Realitätsflucht bei den Deutschen festgestellt.
00:13:28: Niemand soll Nazi gewesen sein, jemand war beteiligt.
00:13:33: Und was man eben verschweigt daraus entsteht ein Gift und dieses Gift ist für mich zum Beispiel die AfD aber auch viele Menschen in den sogenannten bürgerlichen Parteien, die einfach langsam aber sicher aggressiv werden Mal richtig über lange Jahre hinweg wirtschaftlich dreckig geht, dann wissen wir wer der Schuldige ist.
00:13:59: Die Juden?
00:14:00: Das kommt ganz sicher!
00:14:02: Der Antisemitismus war nie tot.
00:14:04: Ich habe ihn immer erlebt in meiner Zeit als Jugendlicher und junger Mann Und er war damals heimlich und jetzt ist er ganz offen da.
00:14:16: Aber lassen Sie uns noch mal einen Schritt zurückgehen zur Biografie ihres Vaters.
00:14:20: Vater war ein sozusagen kunstzinniger Mensch, er war musisch begraben.
00:14:24: Er ist eigentlich klassisch gebildet und dann wurde er nahe zu der ersten Stunde.
00:14:31: Wie erklären Sie sich das?
00:14:32: Das kann ich sogar gut verstehen!
00:14:35: Der Versaillervertrag war ein kleiner Rachevertrag vor allem von Franzosen die wir natürlich am meisten mal trittiert haben ausgehend und das war so dass Mein Vater schrieb in seinem Jugendtagebuch, Deutschland braucht seine Ehre wieder.
00:14:52: Wir brauchen einen starken Mann, der die Ehre uns wiederbringt und dann noch den Nachsatz vielleicht bin es
00:14:58: ich.".
00:15:00: Und die gesamte deutsche Mittelklasse hat ja eigentlich die Weimarer Republik überhaupt nicht anerkannt.
00:15:06: Und daraus das war für mich nachvollziehbar.
00:15:10: Mein Vater ist ein Hundert geboren Wuchs in dem abgesehen von Menschenrechtsverletzungen, diesem herrlichen Kaiserreich auf.
00:15:19: Wir waren damals schon industriell führend und wir bekamen die meisten Nobelpreise und alles.
00:15:24: und plötzlich war alles weg.
00:15:26: Und das kann ich verstehen wenn man Deutschland liebt und darin aufgewachsen ist dass man das anders haben will.
00:15:34: Und Titler war halt damals ein sehr bekanter immer bekannter werdender und beliebter Redner weil er genau diese Sachen immer ansprach mit dem Versaillervertrag und so weiter.
00:15:47: Und dass man ihm da anfangs folgen kann, kann ich verstehen.
00:15:51: Dass man die Ehre Deutschlands haben will oder haben will, kann auch verstehen.
00:15:57: Er wurde dann eher durch Zufall Hitlers Privatverteidiger.
00:16:00: Der Hitler war übrigens ein furchtbarer Prozesshansel, weil er einen paar Nazi-Schläge verteidigt hat und die ausm Gericht frei gekommen hat.
00:16:11: Und damit war er plötzlich der Nazi an Wald Frank.
00:16:14: und dann wurde Hitler auf ihn aufmerksam, machte ihn zu seinem Privatanwalt in der sogenannten Kampfzeit bis dreiunddreißig.
00:16:23: Aber Sie würden sagen das ist am Schluss eine Mischung aus Chaurierismus, Opportunismus dient da?
00:16:29: Weil zuallererst war es tatsächlich die Liebe zu Deutschland.
00:16:33: Die sind ja ganz anders nationalistisch aufgewachsen auch in den Gymnasien als wir heute.
00:16:38: Und das kann ich noch verstehen, aus dem war er jung und in gewisser Weise auch naiv aber hat spätestens dann, als er zum Beispiel das Buch von Hitler mein Kampf da hätte er sagen müssen Halt!
00:16:54: Ich bewege mich da in einem eher verbrecherischen Rahmen.
00:16:59: Das hatte ihm nicht getan.
00:17:00: und dann kam mit seiner Karriere Sucht zur Geltung.
00:17:04: Er kniet einmal, von meiner Mutter seiner Frau und hat gesagt, Brigitte, wenn ich einmal tausend Mal gemohnt verdienen könnte.
00:17:15: Was verstättelte, wollte ich damals auch in seinem Alter.
00:17:18: Und so war er.
00:17:20: Dann kam seine Karriere-Sucht.
00:17:23: Das wusste er bei Hitler dann v.a.
00:17:25: im Dreiunddreißig.
00:17:27: Wobei er ab Dreund dreißig natürlich ... Hitler hatte die Macht als politischem Todermann.
00:17:33: Er bekam dann den Reichsminister ohne Portföhe nachgeworfen, damit er auch ordentlich Geld hat.
00:17:38: Aber eigentlich war nichts mehr.
00:17:40: Er hatte immer noch einen großen Einfluss, weil er Reichsrechtsführer war und überall die Jurastudenten infiltrierten.
00:17:49: Da reiste immer quer durch das Deutsche Reich.
00:17:53: Und der auch Schüler hatte wie Karl Schmitt zum Beispiel?
00:17:56: Er war nicht sein Schüler, aber die hat er selber aufgeholt.
00:17:59: Übrigens mein Zweitvater, weil meine Mutter hatte mit ihm auch eine Herrfee.
00:18:04: Aber das haben Sie geklärt?
00:18:05: Was wirkt das okay ist?
00:18:09: Will da nicht moralisieren!
00:18:12: Nein, aber ... Sie haben mal gesagt zu Hause also so wie sie sich erinnern können oder auch ihre älteren Geschwister sich erinnern konnten Antisemitismus ist kein großes Thema.
00:18:25: Nachdem Sie alle diese Dokumente und Briefe studiert haben, sagen Ihr Vater ... Kein glühender Antisemit?
00:18:30: Das ist ein Riesenunterschied!
00:18:31: Ich hab natürlich in der neun- dreißig geboren, keine Erinnerung.
00:18:34: Aber ich weiß von meinem ältesten Bruder, elfmal ja älter als ich, der hat gesagt zu Hause war der Vati ein völlig normaler, meist sehr lustiger und witziger Kerl.
00:18:45: Es wurde auch darum nicht antisemitisch agiert Weil meine Mutter seit ihrem fünfzehn Lebensjahr, die war acht zu ein neunneinzig geboren.
00:18:56: Der Vater von ihr hat selbst mal gemacht.
00:18:58: Da stand ihre Mutter auch mit fünf Kindern da.
00:19:02: Hat sie angefangen mit jüdischen Agenten so wie hieß das damals?
00:19:06: Pelse und kostbare Tücher in Kommission zu nehmen Und die weiterverkauft mit erhöhtem Geld damit Geld in die Familienkasse gab.
00:19:16: Bis mein Vater dann einfach nicht mehr ertug, hatte unsere die Wohnung der Franks in München herrschaftlich.
00:19:25: In der Wiedenmeierstraße war voller Pelze von Juden und das war meiner Mutter ganz wurscht.
00:19:30: aber dann wird sie richtig verboten weil es ginge dicht.
00:19:34: Aber die Bereicherung zieht sich eigentlich auch durch die Familiengeschichte?
00:19:38: Die Bereicherung also quasi.
00:19:39: ihr Vater war ja auch berühmt berüchtigt dafür dass er vor allem als Generalgouverneur in Polen alles zusammengerauft hat, was wertvoll war?
00:19:50: Da hatte er dann zwei Rembrandt.
00:19:55: Leonardo da Vinci's Dame mit dem Marmellin ein Raphael und jede Menge.
00:20:02: die Krakauer Könige waren bekannt dafür dass sie die größte Gouvelain-Sammlung hatten in ganz Europa.
00:20:10: Da hat auch einiges mitgebracht noch Neues am Schließe auf seiner Flucht.
00:20:14: Also er hat sich sehr schön mit schönen Dingen umgeben.
00:20:18: Also ich würde sagen, das war sein Antrieb.
00:20:22: Macht prästisch wie ein Uniform und ... Ich weiß
00:20:27: gar noch, Nazi konnten keine Kunst von einer anderen unterscheiden.
00:20:31: Er war mit Sicherheit der gebildete Massenmärder.
00:20:34: darum, weil er laut Gesetzblatt im Reich veröffentlicht war eher der Stellvertreter des Führers Und damit war er politisch verantwortlich für jenes Verbrechen.
00:20:51: Für alle Vernichtungslager, für alle Gettos ... War eher politisch-verantwortlich.
00:20:57: Er hat selber keinen Menschen umgebracht.
00:21:01: Obwohl, Kurze und Malaparte, der hat ihn als Journalist besucht, als Italienischer.
00:21:08: Der schrieb in dem Kapitel über die Franks ... Da hätte mein Vater eine Party gegeben und danach seien sie aus dem Palast raus, am jüdischen Ketter vorbei.
00:21:19: Ich weiß nicht genau, ob es Warschauers Krakauer war.
00:21:23: Und dann standen dort Soldaten vor einem Loch das sie entdeckt hatten wo die Kinder der dort eingesperrten Jüdinnen und Juden durchkrochen um Lebensmittel draußen zu organisieren.
00:21:35: Und da ist der letzte Satz, da hätte mein Vater nach dem Gewehr gefragt dass er selber schießen konnte.
00:21:43: Aber er war halt ein Massenmörder.
00:21:46: Und Sie haben mal quasi als Kloster Beleg für seine Geltung sucht, das Beispiel erwähnt ... Dass er sich eigentlich scheiden lassen wollte von ihrer Mutter?
00:21:57: Ja!
00:21:57: Das aber dann nicht gemacht hat und zwar aus
00:22:01: Gründen.
00:22:02: Er traf auf seinen wirklich großen einzigen Liebeln die ich ihm auch gegönnt hab Lilly ist die.
00:22:12: Und die traf er wieder, weil sie hat dann eben ein anderes gearbeitet und da hatte er einen Sohn und der war vermisst im Osten.
00:22:22: Die erinnerte sich ganz in Hans-Frank und er war dann Generalkowalern oft über den Genaues zu erfahren ob man den Sohn auch findet.
00:22:31: Dann haben die sich wieder verliebt und meinen Vater wollte sich dann scheiden lassen.
00:22:41: Meine Mutter hat den für mich auch als Journalist hinreißenden Satz gesagt.
00:22:46: Ich bin lieber die Witwe, als sie geschiedene Frau eines Reichsministers, was sie beides erreicht hat.
00:22:53: und dann hat mein Vater sämtliche Scheidungsakten aus dem Mittler geschickt und dann bekam er von Boorman ein Telegramm Mit folgendem Inhalt.
00:23:06: Der Führer hat mit großer Sorgfalt ihre Scheidungsakten studiert, mitten im Krieg.
00:23:13: Die Ostfrau war so gut wie verloren, dass ich singe und zwischen Brigitte und Hans Frank die Scheidung sackte.
00:23:19: Und er hat dann weitergeschrieben ... der Führler lässt ihn ausrichten, dass sie ... Dass er die Scheitung erlaubt, sofern Sie von allen Ihren Ämtern
00:23:31: zurücktreten.".
00:23:33: Und da saß mein Vater in der Scheiße.
00:23:36: Erstens war die geliebte drei Jahre älter als er, und zweitens hätte er dann keine Burg in Krakama gehabt, keinen Schloss Kressendorf, keine Villa in Krinica, keine villa in Berlin, keine Wohnung im München ... Und nix hatte mehr gehabt, nur noch die Olle geliebt.
00:23:54: Dann hat er gesagt, nee!
00:23:58: Das war's eben.
00:23:59: Da sah man, wo wirklich seine Gefühle waren.
00:24:03: Und die Wale war unheimlich stolz auf seine Hundertzehn-Uniform, die er gesammelt hatte.
00:24:09: Das war alles sehr schmälig für einen Menschen der sich fließend lateinisch unterhalten konnte.
00:24:15: Ich weiß nicht, wer das hier im Saal kann?
00:24:18: Ich sogar gar nicht!
00:24:19: Und er war wirklich der Gebildetste unter all denen, würde ich sagen.
00:24:25: Ob mit der Scheidung hätte er sich vielleicht sogar retten können, wäre nicht in Nürnberg
00:24:30: gelohnt.
00:24:33: mindestens zwanzig Jahre bekommen, aber vielleicht hätte er sich gerettet.
00:24:38: Was für mich nicht gut gewesen wäre.
00:24:40: Weil er hat mir mit seinem Gewäsch das Hirn vergiftet und bis der als Jugendlicher da ziemlich hilflos ausgeliefert.
00:24:47: Weil natürlich waren sie gut argumentieren konnte.
00:24:51: in Haufte Nürnberg konvertiert er zum Katholizismus, schrieb ganz viele Briefe nach Hause.
00:24:57: Er schrieb auch quasi seine Lebenserinnerungen mit dem Titel im Angesichts des Galgen?
00:25:02: Der Titel kam nicht von ihm, der kam dann vom ...
00:25:04: Das kam vor Verlag, okay.
00:25:07: Eine Leutung war das aber nicht.
00:25:10: Also, er war der einzige Angeklagte, der das Gerichtverfahren verlief nach dem analsexischen Muster.
00:25:17: D.h.,
00:25:17: der Verteidiger hat zunächst den Angeclagten befragt und dann kam er erst ins Kreuzfeuer.
00:25:23: Und er fragte seinen Anwalt, der Dr.
00:25:26: Seidel aus Münchens später CSU-Landtagsfraktionsvorsitzter im Bayerischen Landtag.
00:25:32: Fragte ihn haben sie etwas mit der Vernichtung der Juden zu tun?
00:25:38: und dann machte mein Vater kurz eine Pause und sagte ich sage ja!
00:25:44: Und zwar vor allem nach den Aussagen des Auschwitzkommandanten Höss und in weiteren Erlebnissen.
00:25:51: die Prozess.
00:25:52: muss ich diese Frage mit Ja beantworten.
00:25:56: Dann redete er ein bisschen weiter und das Hitler eben alle verlassen hätte, da wären nicht die Kleinfahrt, sondern er und seine Genossen sozusagen.
00:26:05: Und dann sagt er plötzlich folgendes Tausend Jahre wert vergehen und dieses Schuld nicht von Deutschland nehmen.
00:26:13: Er war aber nach seiner persönlichen Schuld befragt worden.
00:26:16: Warum verteilt er die plötzlich auf Achtzehn Millionen andere Deutsche?
00:26:22: Und dann kam er in das Kreuzfahrer von einem sehr geschickten russischen Staatsanwalt, nenne ich ihn jetzt mal.
00:26:29: Und der log sofort weiter!
00:26:31: Er hätte nichts von Maidanik gewusst und alles mögliche.
00:26:34: Was ist das für einen Schuldenerkennung?
00:26:36: Abends kam der Gerichtspsychologe Chilver, der durfte alle Zellen besuchen sofern die nix dagegen hatten zu jeder Tages- und Nachtzeit, kam zum meinem Vater in die Zelle.
00:26:47: und mein Vater sagte als erstes Haben Sie gesehen, wie beeindruckt die Richter von meinem Schuldeingeständnis waren?
00:26:54: Und der Zürcher hat gesagt, nein, das sieht er nicht.
00:26:57: Mein Vater hat beharrt darauf ... Doch!
00:26:59: Sie waren sehr beeindruckend.
00:27:01: und da fragen wir mal was für ein Schuldeingeständnis.
00:27:05: Der hatte in den letzten Briefen oder den Seidl, wie hat meine Mutter sogar noch im Arm der Hinrichtung geschrieben, ich war nie ein Verbrecher.
00:27:14: Dieses Gericht war nicht ein Justiziabel, sondern das Gericht der Sieger.
00:27:20: Und sorgt dafür ... Also den Seiler natürlich gesiezt ... Sorgt dafür, dass die Wahrheit über mich rauskommt.
00:27:26: Also Null!
00:27:27: Null?
00:27:29: Mhm.
00:27:29: Den Glauben hat er sich geflüchtet.
00:27:33: bei dem Bruder Normandell sagt immer, seit Hitler tot war brauchte er einen neuen Gott und es war dann der richtige, der katholische.
00:27:42: Er war altkatholisch aufgewachsen und dann aus der Kirche ausgetreten.
00:27:47: Und hatte sogar eine Jesus-Erscheinung!
00:27:50: Der Jesus muss also mit seinem Kreuz seine Zelle grumpelt sein, und er war eigentlich nicht zu genießen.
00:27:57: Als meine Mutter das Galgenmannuskript durchlas, das weiß ich von meiner ältesten Schwester hat sie gesagt ... Also dieses ewige Jeseline hier und Jeseline da, das geht mir richtig auf den Keks.
00:28:10: Und das war es.
00:28:11: Er war ein richtiger, einer von diesen widerlichen Wiedereintreten in die Katholische Kirche.
00:28:18: Neben diesem Satz ... Die Wahrheit wird siegen!
00:28:21: Ich war niemals einem Verbrecher.
00:28:24: Das hat ja ihre Mutter geschrieben.
00:28:25: Ihre Mutter hat auch eine zweifelhafte Rolle gespielt.
00:28:30: Sie nennen sich Spöttisch, die Königin vom Polen?
00:28:33: Das hat er selber gesagt.
00:28:35: Als der Skeller Agolo bekommen hatte, kniet er wieder mal von meiner Mutter, das war eine Berliner Villa in Dalem und sagte Präkitte du wirst die Königin vom Polen!
00:28:46: Das hat meine Mutter natürlich.
00:28:48: aus diesem Armhaushalt stammend und Sekretärin hatte sie gelernt, hat nicht einmal einen Volksschulabschluss gehabt Hat aber die behinderte Tochter eines Notars immer durch die Gegend geführt und der hat sich zu den Sekretären ausgebildet.
00:29:04: Und dieses hat sie sehr genossen, sie war nie in der NSDAP konnte das Geschrei ihres Mannes auch nicht ertragen.
00:29:12: Sie waren gegen das Soldatische Aber alles was sie kriegen konnte er hat sie mitgenommen.
00:29:18: Sie schreiben man sich was so ungebildete wie hauptgeherig?
00:29:21: Ja muss man sagen Sie hat diese nette Szene, die wir in der Familie übernassiert haben.
00:29:27: Man musste sie bei den Wagner-Festspällen mit einer Hitlerdauer und als der Schwahn über die Bühne da gezogen wurde oder so warnt es sich dem Hans zu und sagt ihm, ich könnte mal wieder Hühnchen vom Victor Aliemarkt mit nach Hause.
00:29:47: Und mein Vater hat eine Prickete!
00:29:49: Der war völlig ernannt.
00:29:51: Sie war in seinen Augen total ungebildet.
00:29:56: Aber trotz allen Streitereien und Fast-Scheidung, sie waren Neudeutsch Partners In Crime ... Sie hat das alles gedeckt?
00:30:04: Sie wusste es auch?
00:30:05: Ja, sie hat ... Sie müssen
00:30:06: sich ... Das Generale von der Burg in Krakow, was ja der Dienst sitzt, wie ein Königshof vorstellen.
00:30:15: Es war eine riesige Bumserei muss man sagen.
00:30:20: Das ging schlechtsmäßig toll zu, weil es war in diesen fünf Jahren ein friedliches Land.
00:30:26: Da passiert ja nichts!
00:30:27: Die Freunden waren ja woanders und sie wussten genau Bescheid.
00:30:32: Ich habe auch einen Buch geschrieben über einem Büchlerin über meinem Bruder Norman und hab da seine alten Schulkameradinnen und Kameraden ... Mein Bruder war schon tot dann bevor.
00:30:42: er wollte das nicht machen.
00:30:44: Und die haben alle gesagt, sie sahen überall gehängte Polen, erschossene Polen als Geisel genommene.
00:30:51: Wenn ein Deutscher ermordet worden war, die wussten alle genau Bescheid und erst recht auf der Administration da mithelfen?
00:31:02: Das habe ich mich auch gefragt beim Lesen ihrer Bücher.
00:31:06: Ich könnte eigentlich sagen, ihre Kindheit war bis ... ... war eben diese Bilder gar nicht gesehen.
00:31:13: Die war eine glückliche Kindheit.
00:31:17: Na ja, ein
00:31:17: glücklicher Kindheit?
00:31:21: Wir waren schon ... Mein nächstelterer Bruder, der Miljon nicht, er war zweier Helde als ich.
00:31:27: Wir waren richtige Rotsbogen und hatten unseren eigenen Tina.
00:31:30: Johan hatte geheißen wie aus der dümmsten Kommödie.
00:31:35: Den haben wir ordentlich gedratzt aber ... Irgendwas strahlte aus.
00:31:41: Wir haben jede Menge Spielzeug bekommen, von all den Gästen meines Vaters oder meiner Mutter und mein Bruder.
00:31:49: Und ich, wir haben alles sofort zerstört!
00:31:51: Wir haben alle Spielzeuge zerstört... ...und da gibt es die Szene im Kressendorf.
00:31:57: Das war ein sehr schönes Schloss in der Nähe von Karkau wo wir immer am Wochenende waren.
00:32:04: Und dann sagte mein Bruder Michl zu mir, pass auf, Nikky wäre ich zu Hause genannt.
00:32:08: Nikky, du gehst jetzt zur Mutti und sagst, ich bin tot!
00:32:13: Und da will ich diesen lang gehen, weil sie hatte ihre Gemächern natürlich weit weg von den tepperten Kindern und da bin ich dahin und sie saß gerade in der Badewanne... ...und ich ging rein und sagte, Mutti, der Michli ist tot!
00:32:28: Sie sprang aus der Wanne, das sah es sich zum ersten Mal nackt umhüllt sich mit einem Mantuch Und lief hinter mir her, wieder diesen ganzen Gang quer rüber da wo wir unsere Kinderzimmer hatten und machte die Tür auf.
00:32:43: Der Michel lag auf der Erde so... Da ging sie zu ihm hin, beugte sich nieder.
00:32:48: ich weiß nicht ob sie was gesagt hat das weiß ich wiederum nicht.
00:32:51: Dann lachte sie den Michel an und wer bekam die Ohrfeige?
00:32:55: Ich stand schon und er hat mich richtig abgewatscht Und das kann man heute als Kükenpsychologe, wir waren einsam.
00:33:05: Wir kannten unsere Mutter nicht!
00:33:07: Wir kannte überhaupt nirgendwo.
00:33:08: Wir waren nur mit unserer herrlichen Kinderschwester Hilde im Bayerischen Mädel damals so um die fünfer zwanzig Jahre alt.
00:33:14: Das war unsere Mutter und wir wussten das letztlich unbewusst in der Kinderzeit.
00:33:20: Da stimmt was nicht.
00:33:21: Deswegen das Spielzeug zerstören den Tienergern.
00:33:25: Ich war noch heute, da gab es im Kressen auf eine riesige Freitreppe.
00:33:30: Da bin ich extra raufgelaufen und dann habe ich laut Johann gerufen ... Und dann kam er unten zum Fuß der Treppe und sagte, bitte?
00:33:38: Und ging rauf!
00:33:40: Wenn da oben war bei mir, hab ich Danke gesagt und bin fortgelaufen.
00:33:45: Es war ein lauter Sorge, ich hatte einen Tretautor.
00:33:48: Dann bin ich vor allem auf der Krakauer Burg.
00:33:50: Das war so ne Blechkarre die ... Ziemlich erkannten hatte.
00:33:56: Da bin ich immer gelauert im Gang, wenn Schritte kamen ums Eck und hab dann ordentlich Gas gegeben ins Pedal gedreht ... Und hab die eigentlich angefangen!
00:34:08: Dann war es so, dass die teilweise Schmerzenschreihe ausstießen und ein erzwungenes Lächeln aufsetzen.
00:34:16: Ich schaute sie von unten nach oben, weil ich schon wusste, mein Vater war ein mächtiger Mann.
00:34:21: Ich konnte mir nicht erwarten geben oder mich sonst an und das hat man genossen.
00:34:27: Du hast als Kind sehr schnell mitbekommen, dir kein Keder aber gleichzeitig war es auch die Vereinsamung trotz der sehr lustigen Hilde.
00:34:37: Sie haben mal geschrieben ich konnte mir alles erlauben.
00:34:39: Das war
00:34:40: wahrscheinlich ... Ich hab's konkretisiert.
00:34:42: Genau!
00:34:43: Und... Die Zurückweisung der Kinder war in ihrem Fall aber besonders nicht nur weil sie der Jüngste waren sondern auch weil der Vater eine Zeit lang zumindest davon ausgegangen ist, dass sie
00:34:57: nicht
00:34:58: das leibliche Kind von ihm.
00:35:00: Wenn Sie noch leiser reden verstehe ich Sie gar nicht.
00:35:04: Ich weiß, worauf Sie lassen.
00:35:08: Ich kann zwischen drei Vätern wählen.
00:35:11: Der eine ist der Hans Frank, der zweite ist der Karl Lasch, der war dann auch Gouverneur in Galizien, als wir dann Russland und die Sowjetunion überfallen haben, kam das zum Generalkommunikation.
00:35:26: Und der Dritte war der Freund erwähnte Karl Schmidt, diesen Nazi-Staatsrechtler.
00:35:31: Als der Karl Lasch von der SS wegen Schmuckelei erschossen wurde im Breslauer Gefängnis ist mein Vater zu meiner Mutter reingegangen und hat gesagt jetzt ist ja Nikis Vater auch tot!
00:35:48: Aber da hätten sie mal den Mutter erleben sollen, die wusste ganz genau von wem sie Kinder haben wollte.
00:35:54: Hat auch zwei Abtreibungen gehabt in Salzvorsorge dann später recherchiert.
00:35:59: Die hat ihn in einer Weise zusammengeschissen und sie hatte eine unglaubliche Ausstrahlung.
00:36:05: Der Faso O'Connor, der mein Vater getauft hat und ihn zum Gal gebracht hat, den habe ich dann in seinem Kloster in Amerika besucht Niklas, dein Vater hatte noch im Gefängnis Angst von deiner Mutter.
00:36:22: Und das war so ... Ich bin ziemlich sicher, dass ich der ... Aber gerade jetzt vor drei Wochen ungefähr mit meiner Tochter Franziska ausgemacht, wenn ich tot bin soll sie einen Gentest machen lassen?
00:36:34: Okay!
00:36:37: Wenn wir wieder bei der Hinrichtung sind, ein Zitat aus ihrem ersten Buch lautet Das müssen Sie ein bisschen erklären.
00:36:48: Ich hab's vorher schon angedeutet, wenn er am Leben geblieben wäre und am Ende früh freigekommen wäre ... Er war erstens einen unheimischen Amalterhund, zweitens sein sehr gebildeter Hundling.
00:37:01: Und der hätte mir wirklich meinen Gehirn richtig vergiftet.
00:37:05: Und ich hätte viel mehr Jahre gebraucht, um das ... also den Fakten nachzueilen.
00:37:13: Meine Geschwister haben das alle nicht gemacht.
00:37:16: Aber ich bin da sehr viel eher rausgegangen, als wenn er weiter gelebt hätte.
00:37:22: Und der hätte, wenn er davon gekommen wäre ... Nürnberg-Gericht war schon was Hohes, aber sonst hätte er in der CSU eine super Karriere machen können!
00:37:35: Vielleicht zu diesem Punkt, dass das Ganze zusammenbraucheb.
00:37:40: Der Krieg war verloren und der Vater war tot.
00:37:42: Sie ... Haben Sie selbst einmal als Prinz von Polen bezeichnet?
00:37:47: Also quasi so gesiert, waren sie Prinz vom Pol.
00:37:49: Dann fiel das alles weg.
00:37:51: Die Familie hatte nichts mehr und war sozial geächtet, war plötzlich bitterarm.
00:37:57: Wie war das?
00:38:00: Da bringen Sie zwei Sachen zusammen.
00:38:03: Wir waren natürlich nach dem Krieg total verarmt.
00:38:08: Da lernte ich zum ersten Mal die Not kennen Und wir mussten auch einmal betteln gehen.
00:38:15: Die Kitty ist meine nächste ältere Schwester, noch mal zweierer Älter als der Michl und wir sind dann zu dritt los, weil meine Mutter gar nichts mehr wusste wie sie uns ernähren konnte.
00:38:30: Michli und Kitty haben jede Menge Lebensmittel mitgebracht.
00:38:34: Ich überhaupt nicht!
00:38:36: Weil ohne meinen Diener bettelt zu gehen war mir unmöglich.
00:38:40: ich war so verklemmt dass die ganzen Bauersleute in Neuhaus am Schliersee nix gegeben haben.
00:38:47: Und das Nette meiner Mutter, sie beschrieb dann diesen Bettelgang nach Nürnberg ihr Mann im nächsten Brief und hat mich gar nicht erwähnt.
00:38:56: Das finde ich gute Mutter!
00:38:58: Also nichts zu sagen ... Und der Nicky ist leider ohne was nach Hause gekommen.
00:39:01: Das hat sich mir eingebrannt.
00:39:03: Deswegen wollte ich immer ein Häusler mit viel Grund haben.
00:39:06: Das habe ich jetzt.
00:39:08: Weil autark sein ist schon nicht schlecht.
00:39:10: Die Bauern hatten damals alles und wir halt nicht ... Und ich verstehe all die Leute, die nichts mehr mit uns zu tun haben wollten, die Feuer nicht tief genug ihren Diener oder ihren Knicks machen konnten vor meinem Vater und auch von der Mutter weil sie wussten nicht wie geht die Besatzungsmacht vor?
00:39:28: Wer wird noch involviert?
00:39:30: Das hat ihm die Feuer erwähnte Lilly nie einen Brief nach Nürnberg geschrieben.
00:39:36: Nur über seine Mutter richtete sie diesen Unionwunsch aus.
00:39:41: Aber verständlich, weil du wusstest nicht wie weit du dran bist vor allem da der erst recht als Geliebte von einem Massenmörder.
00:39:48: Und mögen Sie sich an den Moment erinnern also in Klarwurde was für ein Verbrechere Vater war?
00:39:53: Das muss ja nach dem Kriegsende gewesen sein!
00:39:56: Das war so dass natürlich war merkwürdig das mein Vater diese Helden gestalt plötzlich verhaftet wurde.
00:40:05: Es war am vierten Mai, also noch vor Kriegsende kam so ein Ami-Cheap und hat ihn mitgenommen aus seinem Dienstbüro.
00:40:13: das war zwei Kilometer von Neuers im Josefstahl gehört aber zu neueres am Schliersee.
00:40:18: Das war erst merkwürdig und dann kam im Herbst ... ... um die Besatzungsmacht in Bayern Zeitungen raus.
00:40:30: Und da waren lauter Fotos drin von Bergen, amordeten Jüdinnen und Juden.
00:40:38: Und drunter stand immer Polen.
00:40:41: Ich dachte ja, Polen gehört uns!
00:40:45: Mein älster Bruder, der Normang ist mit der Zeitung zu unserer Mutter gegangen in der kleinen Wohnung, in der wir dann lebten.
00:40:54: Meine Mutter hatte das sicher schon allerfrüh gelesen und sagte aber zu ihr Mutti wenn diese Foto stimmen hat er fahrt die keine Chance.
00:41:03: Und das war für mich der lebenslange Schock, dass mein Vater verbunden war mit diesen Leichenbergen.
00:41:13: Das hat mir zuallererst schon gesagt – das ist ein übler Typ!
00:41:19: Aber für Ihre Biografie war es heilsam, dass Sie sehr jung waren als der Vater noch gelebt hat und dass sie B in einen Internat kamen?
00:41:35: Weil
00:41:35: ihre Biografie unterscheidet sich ja dann doch sehr stark von den Biografien ihrer Geschwister, die alle älter waren und die alle ...
00:41:42: Der Miel war auch im Internat.
00:41:44: Wir kamen beide in einen Internat, wo der Leiter, ein Pastor Lohmann übrigens sehr guter Redner, der sammelte Nazi-Kinder.
00:41:52: Da waren auch die Rippentrop, Kinder da und jede Menge Kinder vom SS verbrechen.
00:41:57: Die sammelte er gerne.
00:41:59: Er sagte mir auch, neuzudrott, fünfundfünfzig oder sechsundfünfzehnt, da war ich also schon sechzehn, siebzehn Jahre alt, sagte er zu mir mal ... Nicky?
00:42:08: Das wollte ich dir immer schon sagen!
00:42:09: Dein Vater war der beste Redner.
00:42:11: Der war wirklich sensationell.
00:42:14: Da ist schon mitten in unserer jungen Demokratie.
00:42:17: Das war kein Unmateriungsinternaut.
00:42:20: Nein nein, das wurde geführt nach den Regeln des Deutsch-Ritter-Ordens Was nicht schlecht aussieht, war ein sehr sportliches Internat.
00:42:30: Mich hat immer geärgert, dass die Rippentroppsöde sportlicher waren als ich.
00:42:35: Sonst hatte ich mit denen keinen Kontakt.
00:42:37: Wir haben auch nie gesprochen über unsere Eltern oder unsere Väter und der Pastor Loband wurde dann tatsächlich so etwas wie ein Ersatzvater.
00:42:48: Das muss ich ihm schon dankbar sein.
00:42:49: Obmit
00:42:50: Ihren Geschwistern sprachen Sie über dem Vater?
00:42:52: Bitte!
00:42:52: Mit Ihrem Geschwistern sprachen Sie über den Vortrag?
00:42:55: Oh
00:42:55: ja, kaum hatten wir grüß Gott einander gesagt.
00:42:58: Haben wir in dem Leben lang sofort dieses Thema hinein.
00:43:02: Aber die Ansichten gingen sehr weit auseinander ... Ging
00:43:05: auseineinander!
00:43:05: Ja... Aber was mich immer gewundert hat auch später habe ich es erst kapiert vielleicht vor zwanzig Jahren oder so.
00:43:13: Da war es schon sechs Jahre.
00:43:14: Warum haben wir nicht gebrochen?
00:43:18: Weil unsere Ansichten fallen meine ging's sehr weit weg.
00:43:22: Der Normand hat noch immer gesagt, ich weiß unser Vater war ein Verbrecher.
00:43:25: Aber ich liebe ihn.
00:43:26: und die drei anderen, sich Sigrid, die Kitty und der Michel haben unseren Vaterzeit ihres Lebens immer als unschuldiges Opfer von Hitler, Himmler und der Siegerjustiz in Nürnberg gesehen.
00:43:38: Und dann fiel mir ein mit ungefähr sechzig fünf oder sechs Jahren warum haben wir nicht gebrochen miteinander?
00:43:46: Und zwar deshalb würde ich sagen Damals, zuvor gab es kaum eine Familie in Deutschland, die nicht durch den Krieg irgendwie beschädigt war.
00:44:00: Erschossene oder im Feld verbliebene Väter, Onkels Brüder und so weiter, zerbombte Schwestern
00:44:07: usw.,
00:44:08: da konnten sie's vergleichen.
00:44:11: Das Leid war überall das Gleiche.
00:44:14: Aber ein Vater zu haben ... Der erstens täglich in der Zeitung stand auf der Anklagebank und dann gehängt wird.
00:44:23: Das war nicht zu vergleichen, und insofern war dieser gehängte Vater ein Bindeglied zwischen uns allen.
00:44:32: Deswegen haben wir nie gebrochen.
00:44:33: Der Miegel gehört mich als das Buch rauskam, als riesigen Lügner beschimpft öffentlich und alles Mögliche.
00:44:41: aber wir haben nie gebrauchen und ich glaube dahinter steckte der Vater.
00:44:46: Der gehängte eben.
00:44:47: Ja, der Bruder Michel, der war in der rechtsextremen MPD dann ... Der
00:44:51: war dann auch in der MPD.
00:44:53: Eine
00:44:53: Schwester ging in den Appartheidstadt Südafrika und hat den Holocaust
00:44:58: genäugelt?
00:44:59: Die ging nach Südafreika weil sie mit ihrem Mann, das war ein zweiter Mann die ApparTheids erschätzte.
00:45:06: Und die ist auch dort gestorben, jetzt ist natürlich auch eigentlich ... Der Reportage in Südafrika habe ich so besucht, in Rannisburg.
00:45:15: Da hat er auch gesagt, das sei alles nicht richtig, was ich geschrieben hätte.
00:45:20: Wobei sie nicht die Lügen meinte, die sie mir nicht unterstellte, weil ihr das sorgfältig recherchiert.
00:45:26: Aber dass ich es überhaupt gemacht habe.
00:45:28: Dass sowas tut man nicht.
00:45:31: Die älteste Bruder wurde schwer alkoholkrank?
00:45:34: Das war der ältesten.
00:45:35: Der Normand wurde sehr alkohOL-krank war aber zwischendurch immer wieder trocken und es war der witzigste Alkoholger, dem ich je begegnet bin.
00:45:45: Das war wirklich einfach toll, der Junge!
00:45:48: Und er ist immerhin.
00:45:51: dadurch, dass er mir anerkannte, dass unser Vater ein Verbrecher war, ist er immerhin in den Achtzig geworden.
00:45:57: Dann die andere Schwester, die nicht nach Südafrika ging hat sich das Leben genommen mit sechs auf vier?
00:46:01: Die
00:46:02: hat schon ihrem Jugendtagebuch geschrieben Ich will nicht älter werden als der Fatih Und hat dann mit forty-sechsten selber als mein Vater gehängt wurde, selbst noch begann.
00:46:14: Sie hatte zwei Ehemälder und die tun mir beide leid weil sie jedes Wochenende ... Die Wohnung war eh gepflastert mit lauter Vaterfotos.
00:46:23: Hat sich noch ein extra Foto auf dem Wohnzimmer Tisch gestellt, hat zwei Kerzen rechts und nix angesehen und hat sie hingesetzt und stundenlang geheult.
00:46:32: das war schon und machte dann eben ihre Jugend Tagebuch wahr.
00:46:38: Und Ihre Mutter hat sich umgebracht an Ihrem zwanzigsten Geburtstag.
00:46:45: Sie hat ... Ja, ich hab mir noch ein paar Tabletten abgereicht mehr als sie vielleicht sollte.
00:46:50: Als Sie zuletzt besucht haben, weil einerseits habe ich meine Mutter sehr geliebt, andererseits habe wir alle meine vier Geschwister und unser Vater sie sehr gefürchtet.
00:47:02: Was sie aber gemacht hat ist nach dem Krieg, sie ist dann völlig ausgebrannt Mit drei und sechzig gestorben, eben genau meinem Geburtstag.
00:47:13: Und sie hat vieles wieder gut gemacht.
00:47:18: Sie hat wirklich alles und jedes gegeben, damit die fünf depperten Kinder überleben können.
00:47:23: Da war sie großartig!
00:47:25: Da war ich wirklich großartiger.
00:47:27: Wovon fragten Sie sich ab und zu, weshalb Sie jetzt einen mehr oder weniger normalen Weg gehen konnten?
00:47:33: Aber Ihre dramatisierten Geschwister alle nicht
00:47:35: ... Weil ich sie alle damit belaste mit meinem privaten Geschichten.
00:47:39: Wenn man's rausgebt, dann ist das was ganz anderes!
00:47:42: Ihr seid alles meine
00:47:43: Psychiater.".
00:47:45: Das war auch der Grund, es hat sich mit fast fünfzig Jahren ... Nein, das
00:47:50: war immer so.
00:47:53: Der Vater war immer im Zentrum und er stand immer in meinem Hirn.
00:47:58: Auch wenn ich sonst ein sehr albernes Leben geführt hab.
00:48:01: Er stand immer neben den Fotos von Haufen, von uns ermordeten Menschen.
00:48:10: Und das ist etwas, was mich jeden Tag noch flühtend macht ... Weil es so ... Wirklich eben das Schlimmste verbrechen, dass ich in der Menschheit begonnen habe und mithilfe meines Vaters.
00:48:25: Das lässt mich halt nicht los!
00:48:27: Und wir Deutschen müssen zusammen mit den Österreichern, die schleigen sich immer davon... Wir müssten es besser wissen.
00:48:35: Das aber wieder kommt daher, dass wir nie diesen Holocaust an uns direkt herankommen ließen.
00:48:46: Was meinen Sie?
00:48:47: wie oft ich?
00:48:48: Meine über alles geliebte seit vier Jahren verstaubende E-Frau Hannelor und während ihrer Lebenszeit in die Gaskammer geführt haben – wie oft unsere Tochter!
00:48:59: wie oft unsere drei Enkelkinder.
00:49:00: Wenn Sie sich einfach vorstellen, Sie sitzen in Ihrer Wohnung im Haus, plötzlich Gewerkäuben gegen Ihre Tür, sie werden rausgerissen auf ein Lastwagen geschmissen dann warten Sie stundenlang am Bahnhof.
00:49:14: Dann fahren Sie drei Nächte und Tage ohne Essen und Trinken durch die Lande Und dann wird Ihnen das Liebste oder die Liebsten aus dem Arm gerissen an der Rampe und werden ins Gas geführt.
00:49:28: Und ich sag dann immer, weil in den Schulen jeder liebt hier irgendwelchen.
00:49:33: Ihr habt alle irgendwelche, die überall es lieben und geht doch mal diese Reise selber durch.
00:49:40: Richtig!
00:49:40: Und stellt euch immer vor, ist eure Schwester oder Bruder geliebter?
00:49:45: Vater oder Mutter?
00:49:47: Stellt euch das mal vor.
00:49:49: Wissen Sie was?
00:49:50: Ich sehe immer in abweisende Gesichter.
00:49:53: Die sind nicht bereit, diesen Schritt zu gehen Und ich hab's unheimlich oft gemacht.
00:49:58: Ich würde sagen, ich bin am Ende dann so fertig gewesen ... dass ich wenigstens ein Millionstel von diesem entsetzlichen Leid mir selber spürte und auch Angstschweiß hatte und zitterte gegenüber dem, was wir den angetan haben.
00:50:15: Diese Angst davor nicht?
00:50:17: Diese Verzweiflung dieses Unrettbare!
00:50:21: Sie haben dabei als Mutter oder Vater ihre Kinder Und wissen nicht, wie es weitergeht.
00:50:26: Dieser entsetzliche Angst und dann der endgültige Weg in die Gaskammer wo sie zum Schluss noch gekämpft haben um weiter nach oben weil das Gas sich unten ausbreitete Das ist alles so entsetzlich.
00:50:39: und wenn Sie das mit Ihren eigenen geliebten Menschen machen Dann kriegen Sie ein bisschen was mit.
00:50:44: und das wird aber nicht gemacht.
00:50:46: und das für mich der eigentliche Zugang dass man das ein bissel nach zu empfinden sucht.
00:50:55: Die Kritik ist quasi, wenn man über den Nationalsozialismus spricht, dass immer entpersonalisiert passiert als Obstraktum.
00:51:04: Das werden die Vorgänge beschrieben aber nicht mit individuellen
00:51:08: Schicksalen.
00:51:09: Ja eben und das sollten wir machen.
00:51:14: Aber sie sind generell sehr kritisch Bei Begriffen wie Aufarbeitung oder Vergangenheitsbewältigung?
00:51:21: Ja, Aufarbeitungen ist für mich das erste Verdunkelungswort.
00:51:28: Weil wenn sie etwas aufgearbeitet haben, dann ist es weg!
00:51:32: Der deutsche Bundespräsident Steinmeier hat mir überraschenderweise zu dem fünfundachzigsten Geburtstag gratuliert, sogar er hat natürlich alles sein Büro geschrieben.
00:51:42: Ein paar Buchtitel erwähnt, er hat aber persönlich unterschrieben und da hatte ich ihm auch geschrieben, ich hätte so viel beigetragen zur Aufarbeitung.
00:51:49: Da habe ich mich in einem Brief ganz herzlich bedankt, war auch völlig überrascht und habe dann geschrieben... Ich muss Ihnen doch sagen das mit der Aufarbeitungen stimmt nicht.
00:51:59: es gibt keine Aufarbeitungsweile habe ich dazu geschrieben.
00:52:03: die Opfer leben weiter Und so ist das auch in mir.
00:52:06: Die leben wirklich weiter.
00:52:08: Schauen Sie, ich konnte ein langes Leben leben.
00:52:12: Meine Frau und ich, wir konnten sogar den Krebs erleben.
00:52:15: So bösartig erheißt und so widerlich und so leidvoll.
00:52:20: Ich weiß noch, wie ich die ... Meine Frau hat dann die zweite OP.
00:52:24: Und ich saß bei uns im Garten, drank einen Bier und einen Stab sich aber nie besoffen.
00:52:29: Ich fand es immer feige, sich zu besaufen, wenn man todtraurig is'.
00:52:33: Und plötzlich klickte es in meinem Hirn auf, als ich da heulen saß und meine Handel war.
00:52:42: Auschwitz!
00:52:43: Und das hat mich vorübergehend getröstet.
00:52:47: Was wir erleben konnten – selbst das Schwerste, was in einer halbwegs guten Ehe passiert zu einem Krebs der einen Partner wegnimmt – konnten wir erlebern.
00:52:57: Wir konnten ein langes Leben.
00:52:58: Das haben wir denen alles
00:53:00: genommen.".
00:53:01: Und das ist schon in gewisser Weise dann ein Trost.
00:53:03: Hat mich nicht lange getröst, weil man liebt seine Frau, wenn es gut geht ... Ich habe ja viele Unglückler hierher beschäftigt.
00:53:11: Scherd muss ich auch sagen.
00:53:13: Aber das ist für mich was wir denen genommen haben.
00:53:20: Das ist ungeheuerlich eigentlich!
00:53:22: Sie haben der Innazifizierungs-Akten studiert und dort gesehen dass da gar nicht so stark ennazifiziert wurde, weil die Funktionseliten blieben ja nach dem Krieg eigentlich die gleichen.
00:53:35: Man hat ja auch kein anderes Personal.
00:53:37: aber würden Sie nicht sagen das dann in der deutschen Erinnerungskultur sehr viel passiert ist spätestens ab Mitte der sechziger Jahre?
00:53:46: Dass wir das wirklich kritischer hingeschaut haben.
00:53:48: Ich meine ihr Buch hatten sie siebenunddachzig veröffentlicht.
00:53:51: Fünfunddachtzig hat Richard von Weizeiker gesagt Es gab den Historikerstreit.
00:53:59: Es ist schon etwas passiert?
00:54:01: Ja, schon!
00:54:02: Aber der größte Reklame-Kuh für ein sozusagen gereinigtes Deutschland waren die Denkmäler, die die Täter ihren Opfern gebaut haben.
00:54:14: Das gibt da mehrere Hundert und das ist ein Mordskupfer überall.
00:54:19: wenn ich im Ausland auch bin dann sagen sie genau das was Sie sagen.
00:54:23: Aber ihr Deutsch seid doch so wunderbar umgegangen mit euren Verbrechen.
00:54:27: Überall liest man nur kritische Sachen und die Denkmäler, die Gedenksteine ... Und all das.
00:54:33: Dann kämpf ich gegen mein eigenes Volk.
00:54:36: Weil er gesagt hat, es war einfach nur ein super Skup, den wir gelandet haben.
00:54:41: Beim Herzen ist es nie angekommen.
00:54:43: Nie!
00:54:45: Sie werden sehen, das hat sie auch schon selber in ihrem Programm geschrieben, wenn die AfD ans Huda kommt brauchen wir eine andere Erinnerungskultur.
00:54:54: Da kriegen alle diese Monomente und so, kriegen keinerlei Hilfsgelder mehr zu erhalten.
00:54:59: Dann wird das herrliche Deutschland eben wie der Gauland, der früher Vorsitzende jetzt ehrenvorsitzende gesagt hat ... Diese zwölf Jahre waren nur ein Vogelschiss in der herrlichen tausendjährigen Geschichte der Dretschen.
00:55:14: Wer sowas sagt, der hat nie Mitleid gehabt!
00:55:18: Nie!
00:55:20: Genau, und Björn Höcke der AfD-Hardline aus Thüringen, da hat ja auch das Holocaustmann mal in Berlin schon ein Denkmal der Schande genannt.
00:55:28: Und eine erinnerungspolitische Kehrtwende um hundertdachzig Grad gefordert?
00:55:32: Das ist ja schon erschreckend.
00:55:34: aber bildet das eine größere Mehrheit oder ein größer Teil der Deutschen?
00:55:42: Dazu ist es die Mehrheit!
00:55:44: Sie sagts noch nicht so gut, aber wie wir jetzt gerade an der Wahl im Baden-Württemberg.
00:55:47: noch nie war in westlichen Ländern ein zu ruhiges Wahlergebnis von beinahe als zwanzig Prozent.
00:55:54: Wie es jetzt die AfD bekommen hat.
00:55:56: Das ist der
00:55:56: reine Rassismus und der reinen Antisemitismus.
00:56:00: Man kann auch sagen, das sind also achtzig Prozent wählen demokratisch.
00:56:04: Sie
00:56:04: wählen's noch?
00:56:05: Aber schauen sie, wie jetzt mit unserer Wirtschaft des Bergab geht!
00:56:10: Und ich schwöre, das war ja auch das Positive an Hitler.
00:56:15: Warum er gewählt wurde?
00:56:16: Die deutsche Wirtschaft zusammen mit der Inflation lag da nieder und er hat vor allem Arbeit versprochen.
00:56:23: Sie könnte als Oppositionspartei alles versprechen.
00:56:27: Das hat er in dem Fall sogar gehalten!
00:56:30: Ja ... Äh ... Und das wird genauso sein.
00:56:34: Ich hatte ihn gewisserweise auch ... Verstehen die jetzigen Parteien sind rundum schon immer an der Regierung gewesen, haben aber nichts weitergebracht.
00:56:43: Also wähle ich diese noch unbeschlägt und das ist halt dann die AfD.
00:56:49: Aber der kassierende Antisemitismus, den Sie erwähnt haben, das ist ja nicht nur ein Problem der Rechten.
00:56:54: Das gibt es auch bei den Linkparteien.
00:56:56: Es gibt da auch ein importiertes Problem.
00:56:58: Ja, das werden alle aus.
00:57:00: Das hat ja nix damit zu tun.
00:57:01: Der Antisemitism ist bei uns in Deutschland ... Die deutschen sind letztlich antisemitisch.
00:57:10: Okay.
00:57:11: Seien Sie vorsichtig bei der Fahrt nach Deutschland!
00:57:14: Ja ...
00:57:15: Ich mein, es war schon vor fünfzehn Jahren, dass ein Ravi in Berlin gewarnt hat, seine Glaubensschwestern und Brüder im bestimmten Stadtteil nicht mehr die Kippa zu zahlen?
00:57:27: Da reg ich mich ungefähr drei Tage lang, wär' ich so wütend.
00:57:31: Wir, die wir besser wissen müssten, das gibt's doch gar nicht.
00:57:36: Das gibt's darüber.
00:57:37: Schauen Sie sich die jüdischen Schulen an bei uns, die werden bewacht in drei Bewacherkreisen?
00:57:43: Was ist das für ein wirkliches Resultat von unserem Holokart?
00:57:48: Ist da einfach unheimlich.
00:57:49: entsetzlich eigentlich!
00:57:52: Darauf schließen sie, dass diese Vergangenheitsbewältigung halt nur
00:57:57: auf Kratze
00:57:58: gemacht
00:57:58: wird.
00:57:58: Wir haben immer noch ziemlich versteckt aber immer brennender während des Herrn-Rassengefühlen.
00:58:06: Sie gehen noch regelmässig in Schulquassen besuchen.
00:58:10: Wenn ich
00:58:11: einladen werde, immer!
00:58:12: Wie sind da Ihre Erfahrungen?
00:58:15: Das sind ja dann Generationen
00:58:17: sehr
00:58:17: weit weg.
00:58:18: Ich
00:58:18: erinnere mich an meine Schulzeit.
00:58:20: Wenn angekündigt wird und morgen kommt einer der erzählt quasi was Drittere ist nicht zu fallen wie so ein alter Grauler.
00:58:29: Und dann lese ich aber diese Seiten die werden noch schärfer dass sie nämlich Vor einem Jahrzehnten im Oktober, der Tag oder die Nacht der Hinrichtung meines Vaters wurde in einer Familie immer groß gefeiert.
00:58:45: Und da hab ich immer besonders gerne masturbiert.
00:58:50: Weil der Druck der Familie war natürlich so grossen das für einen Buben und auch für die Mädels eine wunderbare Erleichterung.
00:58:59: Das lese ich denen vor.
00:59:01: Dann werden diese Gesichter von den Jugendlichen ... Allerlei Geschlechts, immer ja.
00:59:08: Wie geht denn der mit seinen Eltern rum?
00:59:11: Und dann noch diese Ferkelei und die sind also richtig platt!
00:59:16: Und dann, wie gesagt, fangen die Mädels zuerst an zu fragen... ...und dann habe ich bis jetzt immer und überall eine immer lebendiger werdende Diskussion.
00:59:28: Nur wenn ich die Geschichte erzähle, wie Ihnen eben das mal mit den Liebsten einfach mal in dieser anonymen Gesichter steckt, da machen Sie nicht mit.
00:59:36: Und da stimmt sie nicht positiv, wenn Sie die jungen Menschen in den Schulquassen sehen.
00:59:43: Insgesamt haben Sie sicher was.
00:59:44: Ich kriege dann auch immer viele Dankesbriefe von einzelnen Schülerinnen und Schülern.
00:59:51: Aber insgesamt ... Ja, man kann hoffen.
00:59:55: Seit über dreißig Jahren fahre ich mit diesen Seiten durch die Schulen.
01:00:00: Was lese ich neulich in der Zeit?
01:00:02: Der Antisemitismus in Schulen wird stärker!
01:00:05: Wofür war ich eigentlich da?
01:00:07: Gut, Sie können auch nicht alles mehr ausmachen.
01:00:09: Warum
01:00:10: nicht?
01:00:11: Aber wie sehen sie das Problem, dass in der Geschichtsschrift verhandelt wird, wenn die Zeitzeugen wegsterben, was das für Auswirkungen haben wird?
01:00:23: Wenn die Zeitzeuge nicht mehr da sind ... Die lebendigen Mann-Male dieser Zeit.
01:00:29: Ich weiß, dass viele Zeitzüge jetzt über den Neunzig sind und die fahren überall rum.
01:00:36: Da sind die Kinder schon sehr angetan, weil sie konkret ist.
01:00:39: Die können eben etwas erzählen und die Schule ist ja nicht dazu da.
01:00:44: Geschichte weiter zu verbreiten, so einen Gerüst bauen.
01:00:46: Das verstehe ich völlig nicht und deswegen ist meine Ansicht dann wie Sie ja schon gemerkt da kommt eine Tante Margot vor und alles Mühe das ganz persönlich Und das weckt immer das Interesse.
01:00:58: Ich habe auch wenn sich kommen sich vom Drehbuch schreiben Wenn sie meine Bücher lesen im Grunde entstehen dauernd Filme Im Kopf der Leute abstraktes Gewäsch vorzulesen noch langweiliger als wenn man selber liest Muss ich
01:01:13: merken.
01:01:14: Ich meinte nicht ihre Artikel!
01:01:18: Wir sind gleich zurück.
01:01:21: Journalismus live erleben, jetzt mit dem NZZ Live Podcast.
01:01:27: Damit hört ihr jeden Monat bis zu zwei Stunden der spannendsten Mitschnitte unserer Live-Veranstaltungen.
01:01:33: Ihr begleitet interessante Gespräche mit bekannten Persönlichkeiten moderiert von unseren Redaktorinnen und Redaktoren Und das überall wo es Podcasts gibt Oder ihr seid direkt vor Ort dabei.
01:01:47: Unser aktuelles Programm und alle Ticket-Infos findet Ihr unter nzz.ch slash live.
01:01:55: Gut, wenn wir schon bei den Schulklassen sind würde ich sagen Wir geben da ja dem Publikum die Möglichkeit ihnen Fragen zu stellen.
01:02:03: Vielleicht sind es auch hier die Frauen zuerst Die guten Fragen haben dann die Männer.
01:02:10: Ja vielen Dank.
01:02:11: Ich breche also die Regel als Frau als Erste wie in den Schulklassen.
01:02:18: Vor einer Zeit lang, deswegen bin ich heute da, habe ich den Brief an Ihren Vater gelesen.
01:02:23: Sie scheinen sich in der Zwischenzeit mit der Zeit ausgesöhnt zu haben und sie haben ja vor ungefähr einem halben Jahr noch einmal einen Brief geschrieben an Ihrem Vater, der die Zeit abgedruckt hat beschreiben sie etwas, das mich wahnsinnig ergriffen hat und ich kann es nicht ganz mit dem Bild vereinen wie Sie heute Ihren Vater beschrieben haben.
01:02:45: Und zwar in Nürnberg.
01:02:47: Er kommt also in den Gerichtssaal alle tragen Sonnenbrillen die anderen einundzwanzig auch und sie beschreiben wie er hündisch sich duckt und dorthin grüßt.
01:03:00: Ich habe damals gedacht... So mächtiger war der Intelligenteste, dass er das Schlechter von Polen war.
01:03:09: Das wusste ich natürlich!
01:03:10: Ich bin jüdisch und meine Vorfahren mütterlicherseits sind in dem Land umgekommen.
01:03:16: Ich habe ihn da ein bisschen aufgrund dieses Textes anders eingeschätzt.
01:03:20: Hatte er denn etwas Hündisches?
01:03:24: Aber ganz stark... Also das Hündische ist es immer nie positiv zu sehen weil sie erst so anfingen als ob ich dann anderes Bild hätte Wenn Sie das Buch lesen, er hatte grundsätzlich einen hündischen Charakter.
01:03:38: Und es war so ... Ich habe recherchiert ... Der Chilbert hat ihm im Nürnberger Gefängnis nach vielen Reden eine homosexuelle Ader bescheidigt.
01:03:52: Worüber was ich auch schreibe, wäre die ausgelebt hätte oder wär ich nicht entstanden?
01:03:59: Aber dadurch, als er dann den Hitler begegnete, war das schon ... Da kam sein ganz hündischer Charakter raus.
01:04:08: Und eine bissenzhomosexuelle gehende Zuneigung würde ich sagen.
01:04:15: und dieser hündischen Charakter hat der Hitler sofort durchschaut.
01:04:20: Der wusste genau diesen politisch eigentlich toten Mann Den Frank mache ich jetzt zum Generalgründer.
01:04:26: Weil der wird mir nie Schwierigkeiten machen bei der Vernichtungspolitik, die ich für den Osten vorgesehen habe und so war es auch.
01:04:34: Er war eigentlich immer hündisch, solange.
01:04:38: er hat natürlich seine Untergebene typisch als Herr behandelt.
01:04:43: aber jetzt wo er eh keine Macht mehr hatte und im Gefängnis saßt Aber die anderen hat er dann natürlich ebenso begrüßt in seiner lakenhaften Art.
01:04:54: Die waren für ihn immer noch die größeren, nicht als ob sie noch die alten Posten hätten.
01:05:00: Und die haben ihn ja in Berlin im Inneren Kreis der Macht und Mittler ... Waren die alle.
01:05:07: passt erstaunt das Ausgehen der Frank-Generale?
01:05:10: Wollten viele v.a.
01:05:11: unter Führung von Speer Boermann, der Privatsiker, der vom Mittler wollte es auch unbedingt.
01:05:18: Der Himmler ist recht, dass der Frank wieder dort wegkommt!
01:05:22: von den Posten.
01:05:23: Die haben ihn überhaupt nicht anerkannt, auch weil sie ihn miterlebt hab wie er war wenn die alle zusammen mit dem Mittler standen irgendwo.
01:05:35: Das hatte er!
01:05:37: Da heim waren natürlich der starke Mann und wenn er untergeben aber jetzt wo er keine Macht mehr hatte dann Florian in Katolicismus und hat den Abend vor seinen Gebaren wieder gehabt.
01:05:49: Und übrigens hab ich mit der Zeit zu garen gestreit, die haben da einfach drüber geschrieben ... Der letzte Brief von mir an meinen Vater, was eine Sauerei ist, haben Sie nicht mehr abgestimmt?
01:06:01: Weil ich schreib grad am letzten Buch, wo ich Ihnen wieder anrede.
01:06:05: Ja!
01:06:06: Und sie haben nicht mal diese Stärke gehabt, was jeder NZZ-Journalist natürlich hätte, sich dafür zu entschuldigen.
01:06:14: Und ich überlege, ob ich dann tatsächlich im Chefredaktor schreibe.
01:06:18: So geht es sich.
01:06:19: Es ist einfach eine glatte Lüge mir zu unterstellen.
01:06:21: ein letzter Brief von mir an meinen Vater der lebt noch gewaltig in mir aus dem wir haben das ganze so zustande.
01:06:30: erstens war Beginn der Nürnberger Prozesse Im Herbst fünfundvierzig im November und dazu wurde auch pausenlos interviewt und so Und da war, hatte ich am siebten Februar vor nunmehr zwei Jahren bekam ich ein Mail von einem mir völlig unbekannten Menschen.
01:06:51: Da stand das Satz drin.
01:06:54: Sehr geehrter Herr Frank haben Sie eventuell Interesse an einem Nacktfoto Ihres Vaters nach der Hinrichtung?
01:07:02: und da war er natürlich elektrisiert aber gesagt sofort her damit.
01:07:07: Und da habe ich auch meinen Vater zum ersten Mal nackt gesehen und zwar wurden die haben die Amis alle nicht nur angezogen, todfotografiert sondern haben sie alle ausgezogen.
01:07:18: Auf derselben Bahre, wo ich glaube Sie zeigen, aber da haben gezeigt das Foto lang sind nackte von den Füßen aus fotografiert nach oben mit stolzem Glied meines Vaters.
01:07:31: Das wollte ich eben veröffentlichen in der deutschen Presse Die Zeit, der Stern hat sofort rundum abgelehnt und hat den Artikel darüber geschrieben wo er zentrale Satz war.
01:07:47: Es gibt keinen Deutschen, der nicht Fotos von diesen ermordeten Jüdinnen und Juden in sich trägt im Hirn Ab.
01:07:57: wie viel ermordete Jüdin und Judend darf man eigentlich einen der Täter nackt zeigen?
01:08:04: Und da haben sie alle gesagt ui das ist aber spannend Das ist aber interessant Aber machen können wir es nicht.
01:08:10: Und diese Feigheit hat mich schon sehr berührt, die Zeit war bis zum Schluss eigentlich entschlossen das zu machen.
01:08:18: und dann habe mir der zuständige Ressortleiter am Telefon gesagt Es gab einen solchen Aufstand in der Redaktion vor allem bei den Frauen dass wir davon uns entschlossen haben das nicht zu machen.
01:08:35: Und in meinem nächsten Buch wird hinter einer geschlossenen Seite, auch ich bin vom bürgerlichen Geschmack beschädigt.
01:08:43: Wenn man die aufmacht sieht man meinen Vater nackt.
01:08:47: also kaufen sie das Buch.
01:08:54: Gut würde ich sagen.
01:08:55: nächste Frage Sie haben kurz erwähnt dass sie mit...
01:09:02: Ah da sitzt sich.
01:09:03: Ja hier sitze ich dass sie mit den Kindern anderer Nazigrößen auf dem Internat waren, Ribbentrop und so weiter.
01:09:11: Mich würde interessieren ob Sie mit Thomas Haarland Kontakt hatten.
01:09:16: Und zwar deshalb weil er sicher auch intensiv mit der Rolle seines Vaters beschäftigt hat.
01:09:24: Gibt es da Austausch?
01:09:26: Wie kann man sich das vorstellen?
01:09:29: Also wie man sich's vorstellt ist weiß ich nicht was ich damit meine aber ich hatte keinen Kontakt.
01:09:34: Der wollte auch von mir nix.
01:09:37: Ich glaube, ich war eingeladen zu der Premiere von seinem Film.
01:09:41: Nee, der andere hat ihn.
01:09:43: jetzt weiß ... Nein!
01:09:46: Da kann ich eigentlich nichts sagen und das hat mich nie wirklich beschäftigt trotz seiner Filme.
01:09:53: Aber es gibt so eine Vernetzung zwischen Täter, Kindern oder so, wo man sich austauscht?
01:09:59: Das gibt's nicht.
01:10:00: Jedenfalls ich nicht.
01:10:01: Es waren sehr gute Freunde die ... Himmler-Tochter, mit der Göring-Tochter.
01:10:07: Das weiß ich durch den Dritten und von anderen weiß ich es nicht im Weih.
01:10:11: Es gibt nur eine Szene, da muss ich immer noch lachen ... Da gab's den Jerry Posner in amerikanischen Journalisten, der über die Täterkinder ein Buch schrieb.
01:10:22: Und er kam zu mir ins Sternbüro und hat mich auch interviewt, das ist dann auch im Buch erschienen.
01:10:28: Dann sagt er zu mir, Niklas, pass auf!
01:10:30: Ich brauch unbedingt einen ... Interview mit der Eta Göring.
01:10:35: Ich würde es besser finden, wenn du weißt so von Täterkind zu Täterkind das einfach einleitest.
01:10:43: hier hast die Telefonnummer und dann probieren wir das und dann habe ich sie angerufen Münchner Nummer und dann sagt sie Göring da hab ich gesagt grüß Gott mein Name ist Nikas Frank.
01:10:58: Neben mir sitzt der Jerry Posner und weiter bin ich nicht gekommen, weil sie unterbrachend gesagt hat ... Ein Moment.
01:11:05: Sind Sie dieser Niklas Frank, der dieses entsetzliche Buch seinen Vater geschrieben hat?
01:11:11: Dann sag ich ja, zack war da jemand aufgelegt!
01:11:15: Und der Jerry hat sein Interview nicht bekommen.
01:11:18: Das waren meine engste Verbindungen, die ich glaube hier hatte außer mit dem Horst Wächter, dem Sohn vom Gouverneur von Galizien.
01:11:29: Mit dem war ich gut befreundet, bis er kannte, was Vater das Kind wirklich ist.
01:11:33: Der verteidigte mich seinen Vater auch sozusagen bis aufs Blut als unschuldiges Opfer von Himmler und der ist aber geflohen dann in die Berge mit seinem nächsten Kamerad oder Soldat oder was das war und hat sich dort versteckt in der Hütte.
01:11:51: Schwängerte seine Frau so dass sie das abtreiben musste weil sonst wäre alles aufgekommen und ist dann weiter über die sogenannte Rattenlinie erst mal nach Italien, wurde da vom Bischof Hudal in Österreich gut unterstützt.
01:12:05: Und starb laut Philipp Senz in seinem Buch ganz geheimnisvoll vermutlich durch irgendeinen Geheimdienst.
01:12:13: Er ist im Tiver geschwommen und hatte nachher irgendeine entsetzliche Krankheit an der Starbe was ich eher glaube in diesem Fall als Philipp SenZ.
01:12:24: Ich hätte eine Frage.
01:12:25: Haben Sie Kontakt zu den Opfern?
01:12:27: Hast du jüdischen Juden, waren sie in Israel?
01:12:30: Das wären meine Fragen.
01:12:32: Also ich habe natürlich in der Zwischenzeit sehr viele jüdische Freunde muss ich schon sagen und das ist richtig toll!
01:12:43: Ich komme aber denen...ich war natürlich wie alle Deutschen verklemmt ja und das ging aber sehr schnell Vorbei und in der Zwischenzeit habe ich wirklich sehr lebendige Freundschaften mit jüdischen Menschen.
01:12:59: Und teilweise ... Ich weiß ja einen Herrn Goldschmidt, den traf ich auf dem evangelischen Kirchentag wo wir beide eingeladen waren.
01:13:08: hinterher gingen wir essen er hat seine Frau Eva dabei und ging ein typisches Brewer lokal und hab ich zu ihm gesagt Herr Goldschmitt hier kriegen sie den besten koscheren Schweinebraten denen Sie je gegessen haben.
01:13:21: Da haben wir das gleich unheimlich gelacht.
01:13:24: Ewa weißt du, was der Herr Frank gerade gesagt hat?
01:13:26: Und da war das Eis sofort gebrochen.
01:13:29: und so ist es eigentlich allgemein ... Ich habe einen sehr guten Freund, Lucien Plessner auch Deutscher Jusel, ein sehr bekannter Gitarrest.
01:13:40: Der muss mir bei jedem Telefongespräch erst mal im jüdischen Witz erzählt, weil ich das schon tue.
01:13:46: Übrigens, der Goldschmidt hat mir eine Geschichte erzählt, woran sie erkennen könnten Auf welcher Seite ich stand?
01:13:52: Der hatte Auschwitz überlebt, emigrierte nach USA und machte dort ein Vermögen.
01:13:58: Ich hatte viele Kinder und Enkel und hat beschlossen ... Ich fahre mit Aldi hin nach Krakau, zeige ihn Krakow.
01:14:05: Und ging auf diesen großen Platz da.
01:14:09: Da gibt es das Restaurant Wirszynek in dem mein Vater auch verkehrte als Generalgouverneur.
01:14:18: Dann ist er hin und hat den Obergefragt Wo saß immer der Generalgobelner Frank?
01:14:23: Der war zuerst sehr pickiert, aber dann gesagt dahinten im Eck.
01:14:27: Dann hat er sich hingesetzt mit dieser Riesennachkommenschaft und hat dann zu mir gesagt ... Und wissen Sie was, Herr Frank?
01:14:37: Ich war so glücklich!
01:14:39: Ich, der kleine Jud aus Katowice sitzt jetzt am Tisch von diesem mächtigen Hans-Frank.
01:14:47: Wer lebt noch ich?
01:14:49: Bis ins Innerste.
01:14:51: Bis in meinen Innersten war ich ganz auf seiner Seite, weil das diese Freude konnte ich so gut mittragen und die kam auch bei mir aus dem Innersten.
01:15:01: Diese Freude daran, dass er überlebt hat wenigstens.
01:15:05: Vielen Dank für Ihre Worte!
01:15:06: Ich bin sehr beeindruckt davon Ihrem Engagement im hohen Alter noch.
01:15:11: Sie haben erwähnt wir haben alle Angehörige und Liebste Ob es etwas gibt, also wir werden sicher alle mit unseren liebsten sprechen über dieses Gespräch heute Abend.
01:15:25: und gibt es etwas was ihnen am Herzen liegt.
01:15:27: Was sie vielleicht via uns ein bisschen in die Welt hinaus uns mitgeben würden, was wir dann auch weiter tragen könnten?
01:15:38: Also das eine was ich... schon geschildert habe, wie ich meine Liebsten ins Gas geschickt hab.
01:15:45: Das halte ich für so wichtig, um einen persönlichen Zugang zu bekommen.
01:15:48: Weil das ist wirklich wichtig!
01:15:49: Sie lernen auch in Schulen nur von sechs Millionen ermordeten.
01:15:53: Aber wenn sie ihre Liebsen selber rein sind, kriegt das plötzlich eine ganz andere Schwere.
01:15:58: Übrigens kann ich Ihnen auch sagen ... Wenn Sie das machen und richtig bis zum Ende mal und richtig plötzlich mitfühlen, sind Sie danach ein absoluter Demokrat.
01:16:09: Für mich ganz eng zusammen.
01:16:12: Und das andere halt, was ich in Deutschland empfehle vor allem den jungen Leuten ... Wir sind eine Parteiendemokratie also geht's in der Partei natürlich nicht in die AfD aber mischt diese Altforderen in den Parteien auf und setzt euch durch.
01:16:33: Das ist so die einzige Empfehlung, die ich geben kann.
01:16:36: Den Schweizern kann ich schon gar nichts empfehlen Außer gratulieren, dass ihr die Fernsehanstalten nicht runtersparen lasst.
01:16:44: Ein wunderbares Ergebnis!
01:16:47: Ich glaube in Deutschland hätten sie zugesagt, spart alles zusammen Aber sonst weiß ich ob Sie damit zufrieden sind?
01:16:55: Ich kann das nicht anders sagen.
01:16:59: Und natürlich ein waches Gefühl für da.
01:17:02: Wissen Sie, bei uns hat der Innenminister Dobrindt einfach über ein Gerichtsurteil hinweg das besagte er muss die an den Grenzen ankommenden Menschen, die müssen sagen dürfen ich bitte um Asyl.
01:17:17: Das war ein richtiges Urteil und es hatte einfach übergangen und lässt sie abweisen.
01:17:23: Warum stehen nicht mindestens zehn Millionen vor seinem Ministerium?
01:17:28: Um protestieren dagegen!
01:17:31: Das ist nicht der Fall.
01:17:32: Und das sind, ich sage eh, es gibt nur eine Million deutsche Demokraten.
01:17:37: Der Rest ist verschiebe Masse in die Diktatur.
01:17:41: Das wird eines Tages ganz leicht gehen und dann haben wir ersten Autoritätsregime nachher ein Diktatorschutz und dann fangen wir wieder an zu morden.
01:17:51: Das ist für mich ziemlich klar und das ist kein Alterskeptizismus oder so was Sondern ich spür's jeden Tag nicht spüren, sondern ich kann es jeden Tag lesen.
01:18:01: Überall wird an unsere Demokratie
01:18:05: geknappert.".
01:18:06: Und übrigens war sie vorher, sagt noch kurz ... Wir sollten nicht vergessen, also wir Deutschmeine jetzt... Wir haben zusammen mit den Nazis die beste Demokratie aufgebaut in der wir je lebten.
01:18:18: Da waren überall Nazis dabei!
01:18:21: Aber das war eben das Typisch Deutsche, die am Feuer Hitler und seiner Entsätze in Diktatur gehorcht.
01:18:27: Und dann kommen die Alliierten und sagen plötzlich, ja, die Westlingen.
01:18:31: Da was auf, da gibt es ein anderes System, das heißt Demokratie.
01:18:35: Ja?
01:18:36: Mach mal!
01:18:37: Und haben wieder gehorcht.
01:18:38: Was sie zu Hause erzählt haben war etwas ganz anderes.
01:18:42: Auch diese Bündel, die es unter der Hand immer gab ... Sie haben nicht verhindern können, dass wir eine tolle Demokratie mit einer unabhängigen Justiz haben.
01:18:53: Das ist eine richtig freie Presse Und das ist natürlich beides das erste, was abgeschafft wird.
01:19:00: Das würde ich ihm sagen, da haben die Nazis leider mitgeholfen, weil sie ihr Maul gehalten haben öffentlich und die neuen Regeln eben mitgemacht und aufgebaut haben.
01:19:10: Ich habe eine Frage zur AfD.
01:19:12: Warum kann man die nicht verbieten?
01:19:14: Zu wem?
01:19:15: Zur AfD!
01:19:17: Das ist ja ein langes Gespräch zwischen den Parteien, ob man sie verbieten kann.
01:19:24: Unser Verfassungsgericht hat einmal die NPD nicht verboten, weil sie zu wenig Mitglieder und alles Mögliche hatte.
01:19:31: Bei der AfD ist das was ganz anderes.
01:19:34: aber also ich persönlich würde sagen es hat keinen Sinn sich zu verbieten.
01:19:39: Sie würden sich sofort neu gründen mit noch größeren Zulauf.
01:19:43: man kann's probieren.
01:19:45: Die SPD ist da sehr hinterher dass das gemacht wird und einige andere auch andere vor allem auch verfassungsrechtler usw.
01:19:53: Die würden eher sagen, das ist gefährlich.
01:19:55: Es dauert jahrelang so was dann wirklich durch ist und es würde eigentlich nichts bringen.
01:20:01: Und deren Meinung schließe ich mich an in dem Fall.
01:20:05: Ich wollte Sie fragen ob Sie jemals daran gezeifelt haben?
01:20:09: Ob Sie Ihren Vater verurteilen sollen oder ob sie den Holocaust irgendwann auch mal verleugnen wollten nachdem Sie Ihre Recherchen begonnen haben.
01:20:19: Das ist interessant!
01:20:20: Das habe ich nie gehabt.
01:20:22: Das habe ich nie gehabt und zwar spielt da etwas ganz Privates rein.
01:20:29: Wir hatten ja auch das Warschaubelvedere, und ich trug ein Letzchen war ganz klein und lief um einen runden Tisch und wollte immer in die Arme meines Vaters.
01:20:43: Und mein Vater lief immer so dass er immer auf der gegenüberliegenden Seite war und zu mir sagte Was willst du denn?
01:20:50: Du bist doch ein Fremdi, du gehörst doch gar nicht zur Familie.
01:20:54: Und ich heulte weil ich unbedingt in seine Arme wollte.
01:20:58: und dann haben sie danach unbewusst eigentlich nur zwei Chancen entweder Sie werden ein psychisches Wrack oder Sie bauen beides im unbewussten gesunde Distanz auf und das Zweite ist mir gelungen.
01:21:14: Das heißt ich würde also und das trägt durch mein ganzes Leben durch Und deswegen würde ich schon aus diesen Gründen, weil mein Vater, was ich ja fragtenmäßig dann auch wusste und damals nicht wusste natürlich als Kind dermaßen dazu beigetragen hat dass dieser Holokast, ich werde den nie entschuldigen oder auch nur irgendwie verleugnen in den Holokasten.
01:21:37: Das käme mir wirklich in den Sinn bei eine Million Kilometer Fakten sind schon allein und allein die Fotos.
01:21:45: das würde ich nie machen.
01:21:47: Ja War das oder habe ich eine Frage vergessen?
01:21:52: Das war klar und kurz.
01:21:55: Nächste Frage!
01:21:57: Warum sind Sie so hart zu Ihrer Mutter?
01:22:01: Ich hab mit Ihrem Buch gelesen, dass sie Ihr beim Selbstmord geholfen haben.
01:22:05: Sie haben ihr zwei Tabletten mehr gereicht wo sie gesagt hat ja Niklas du hast recht, ich nehme noch zwei mehr und es war klar, dass die damit selbstmord begeht.
01:22:16: Ja das war nicht ganz klar.
01:22:18: dann schon noch über eine Woche gelebt.
01:22:20: Das war nicht entscheidend!
01:22:22: Es war für mich eher so eine Entschuldigung, trotz Reaktion weiter.
01:22:27: Warum ich so umgehe?
01:22:32: Wir drei Kleinen haben sie erst nach dem Krieg kennengelernt, weil sie hat ihr eigenem Erzähl, ihr eigener Bescheh, ihr eigenen Schoffeur und ließ ihn natürlich überhaupt nicht sehen.
01:22:43: Ich habe auch unsere Kinderschwester-Hilde Bevor ich das Buch schrieb, ausführlich interviewten.
01:22:49: alte Dame damals.
01:22:51: Viel jünger als ich jetzt aber sie war schon Mitte-Siebzig und die hat mir erzählt dass die Mutter eines Tages zum Schoberhof kamen unser Haus am Schliersinn umgebaute Bahnhof Und er gesagt Hilde nehmen sich sofort frei.
01:23:09: Ich will es mit meinen Kindern sein.
01:23:11: Die Hilde die sehr viele Verhältnisse hatte Freude.
01:23:14: sich zog sich um und wollte gehen, schon klingelte das Haustelefon, dass der Schoberhof damals schon hatte.
01:23:21: Und die sagte Nein Hilde Sie müssen bleiben.
01:23:24: ich halte es nicht aus diese Kinder machen mich so nervös und weg war sie und Das war's.
01:23:30: sie hat uns tatsächlich völlig im Stich gelassen vor allem uns drei klein.
01:23:34: Deshalb habe ja vorher ihnen diese Todesgeschichte erzählt usw.
01:23:39: Das war etwas was sich hier schon nach trage.
01:23:43: Ja Das andere ist, dass ich ein ganz anderes Verhältnis zu meiner Mutter habe.
01:23:50: Weil sie tatsächlich wie ich vorher auch schon erwähnt hab ihr Leben für uns dann wirklich geopfert hat.
01:23:56: hier saß immer schon vier an der Schreibmaschine und versuchte privat das Buch im Angesicht des Galgens zu verkaufen.
01:24:05: Und da war sie wahnsinnig fleißig hat auch eine Menge Geld damit gemacht weil plötzlich wieder wohlhabend Weil er sie zunächst alle katholischen Priester ansprach und dann die evangelischen Pastoren.
01:24:18: Und dann ging sie in die Wirtschaft, hat alle mir persönlich angeschrieben.
01:24:22: der damalige Generaldirektor von VW hat uns gleich ein VW geschenkt so dass meine Mutter einen Leihwagen-Geschäft aufmachen konnte im München und das achte ich alles sehr hoch.
01:24:34: aber Sie sah es jeden Abend während des Prozesses, wenn Verhandlungen waren vor unserem Rundfunkgerät.
01:24:42: Die Frau gab sie damals noch nicht, also ... hat immer die Verhandlung gehört.
01:24:47: Sie wusste eh schon vorher von all den Vernichtungslagern.
01:24:53: Sie wußte das ganz genau.
01:24:55: und da gab's einen deutsch- jüdischen Journalisten namens Gaston Ullmann an dem kann ich mich noch gut erinnern.
01:25:02: der besuchte uns sehr oft.
01:25:04: Der brachte nämlich immer Schokolade mit.
01:25:07: Und da schrieb sie drei Tage vor der Hinrichtung, ihr Mann ins Gefängnis den Satz ... Er ist zwar Jude aber ich glaube er hat ein menschliches Herz und das sind so Sachen die mich natürlich sehr gegen meine Mutter eingestellt haben nicht?
01:25:28: Das ist einfach unmöglich obwohl Sie Zeit ihres Lebens bis es nicht mehr durfte glänzende Geschäfte mit den jüdischen Pelzen-Tuchhändlern gehabt hat.
01:25:38: Da war keine Gnade, was ich hier wiederum hoch anrechne ... Ich kann mich nicht erinnern und Sie wissen Zeitzeugen lügen, was das Zeug hält.
01:25:48: Aber in dem Fall kann ich nicht erinnern, dass sie je vor mir unseren Vater verheerlicht hätte oder das Dritte Reich hat sie nie gemacht.
01:26:00: Und da bin ich ihr natürlich sehr dankbar!
01:26:02: Aber andererseits solche Sätze wie eben zitiert, die brennen natürlich schon in mir.
01:26:09: Wie erklären Sie sich die einzigartige deutsche ... Jetzt ist mit das Wort empfandet?
01:26:17: Autoritätsgläubigkeit und ich kann das fragen weil ich bin eigentlich auch betroffen habe mein deutschen Pass aber irgendwann mal gerne her geschenkt was mir sehr auffällt.
01:26:27: historisch wenn man sich mit der Historie ist einfach, dass man den Eindruck hat, dass die Deutschen außergewöhnlich autoritätsgläubig sind.
01:26:38: Das finde ich sonst so nicht wieder.
01:26:42: Wie erklären Sie sich das?
01:26:43: Oder haben Sie eine Erklärung dafür?
01:26:46: Ich habe eigentlich keine Erklärungen dazu, weil ich da zu wenig Wissen hab.
01:26:51: Sie haben aber ohne Zweifel recht, wir sind ungeheuer
01:26:54: autoritäzgläumig.".
01:26:56: Das ist ganz klar und das macht uns ja auch so empfänglich für jede Form von Diktatur.
01:27:02: Weil dann sagt einer oder eine, da geht der Weg lang und keine Diskussion
01:27:06: usw.,
01:27:07: das ist schon klar.
01:27:08: Und das ist auch eines der großen Gefahrens und was ich immer in den Schulen vorschlage dass man diese Zivilcourage stärken sollte in den Schulen.
01:27:18: Da schlagen es aber alle die Hände über dem Kopf zusammen.
01:27:21: Ich habe zum Beispiel vorgeschlagen, eine Lehrer nimmt ein Mädchen oder einen Buben raus und macht mit dem Geheim ab.
01:27:30: Pass auf!
01:27:31: Wir gehen jetzt rein in die Klasse, ich rufe dich auf fange dich an zu schreien und knuft dich auch richtig oder reist dich an der Schulter.
01:27:40: Und dann nach drei fünf Minuten brechen wir das ab und die Lehrer wendet sich an die Schüler und sagt Warum ist keiner von euch aufgestanden und sagt, so geht das nicht?
01:27:52: Wissen Sie, dass sie konkret werden.
01:27:55: Dass sie richtig konkret werden?
01:27:58: oder ich schlag vor, lasst doch in Städten ... Ein Teil der Schüler zieht sich die Kippa auf und geht mal durch die Stadt.
01:28:08: Und dann erlebt ihr vielleicht bestimmte Blicke.
01:28:12: Das ist eben das Entscheidende.
01:28:14: Und Sie sollten in jedem Fall Rednerkurse machen, was nämlich auch zur Hilfe ist.
01:28:19: Schauen Sie, wir haben bei der Handler und ich ... Wir haben unsere Tochter als sie fünfzehn war in ein englisches Internat geschickt.
01:28:29: Ich hatte eine Jugendfreunde, die nach England geredet hat.
01:28:31: Die hatte Kinder im gleichen Alter wie die Franziska und da waren sie oft in Ferien.
01:28:36: Und wollte um sie in den Internat.
01:28:39: Nach einem Jahr schon habe ich keine Diskussion gegen meine Tochter mehr gewonnen.
01:28:45: Die war dermaßen geschult in Argumentation.
01:28:48: Die haben drüben da in dem Internat zu müssen, aber allgemein so Rednerkursen wo sie das Thema gestellt bekommen also dass positiver im Antisemitismus und das mussten die verteidigen als Spielerei.
01:29:01: Und dadurch wurden die so aufgeweckt.
01:29:03: und das finde ich fehlt bei unseren Schulen.
01:29:07: Und da können Sie auch etwas machen, das man gegen die Autorität, gegen diese Autoritätsgläubigkeit.
01:29:14: Das fände ich schon richtig, aber da kann mich natürlich nie durchsetzen.
01:29:18: Es sei nicht wer Kultusminister, aber es sind ja leider im Land ...
01:29:24: Meine Frage bezieht sich auf den Begriff der Aufarbeitung, den sie genannt haben und auch die Textpassage, die vorgelesen wurde.
01:29:34: Was würden Sie sagen, inwiefern hat Sprache die Macht das kollektive Bewusstsein einer Gesellschaft bezüglich solchen Taten zu schärfen oder zu formen?
01:29:47: Und was gilt es auch heutzutage im Anbetracht der Weltlage zu beachten.
01:29:52: Wie können wir sorgfältig mit Sprachen umgehen und solche Euphemismen vermeiden?
01:29:58: Ja mei!
01:30:04: Es fängt da beim Einzelnen an.
01:30:07: Wenn der Einzelne schon feig ist und ich war in meinem Leben oft genug auch feig, ärger mich heute doch bei bestimmten Situationen wo ich feig war.
01:30:16: Da sind entscheidend.
01:30:16: hier mal einen großen Artikel geschrieben über die Falker den Deutschland habe ich irrsich viele Zuschriften bekommen weil die Leute es gibt zwei Leben in jedem Menschen.
01:30:28: das eine Leben ist das täglich nach außen Und das Zweite ist das Innere, was sie wirklich leben.
01:30:35: Das Beide übereinstimmen, dass das Innene auch das Äußere ist, wer vermischt mit jeder Menge Beleidigungen für den anderen oder die andere?
01:30:46: Es geht aber bei einem selber los!
01:30:49: Wann bin ich noch mit mir zufrieden?
01:30:51: Oder wann ärgere ich mich, weil ich da meinen Maul gehalten habe?
01:30:55: Da haben natürlich Mund ... Und das ist etwas, es ist einfach ein Schein.
01:31:00: Es liegt dann jedem einzelnen Charakter, dass man denkt... Also ich habe immer gesagt jeder sollte sich aus vier Meter Höhe täglich beobachten und in meinem Fall sehen Sie dann welchen unsäglichen Mist sie doch ein Leben lang gemacht haben und verübt haben.
01:31:18: Ich glaube diese Selbstbeschau wäre nicht schlecht.
01:31:22: auch würde ich schon sagen Ich weiß nicht, ob ich ihn entfernt nur ihre Frage beantworten konnte.
01:31:28: Aber das ist für mich ... Das geht ja noch vom Einzelnen aus!
01:31:32: Weil ich kann dich gar in eine Gruppe bilden und sagen wir sind jetzt alles so-und-so oder wenn dann sind sie untergeben, mit denen Sie sowas sagen können.
01:31:40: Es liegt schon am einzelnen Charakter.
01:31:43: Ja, bist doch schön.
01:31:44: Aufruf zur Selbstreflexion zum Schluss.
01:31:47: Vielen Dank Niklas Frank für dieses Gespräch.
01:31:50: Da war er auf der Mantel den Sie gekauft haben?
01:31:54: Der Herrschläder-Mantel?
01:31:55: Ja,
01:31:55: da bekam ich auch eine Mail aus den USA.
01:31:59: In diesem Mantel steckte er eine dickliche Dame um die Sechzigfünfundsechzig und schrieb mir diesen Mantel habe sie bekommen von ... Ich glaube es war ihr Onkel und der habe ihn mitgebracht aus Deutschland und der sei nachweislich vom Hans Frank.
01:32:17: ob ich Interesse hätte das hatte ich auch beim Lackenvater weil wir sofort die Idee kam Du wirst meine Vogelscheiche an unserem kleinen See.
01:32:28: Und so war es auch und ich hab zweihundertfünfzig Dollar gezahlt, die wollte sie ja haben.
01:32:34: mit der Verschickung
01:32:35: usw.,
01:32:35: waren's über dreihundert Dollar.
01:32:38: Dann kam der Ander, wurde sich zum Zollamt bestellt nach Brunsbüttel weil eventuell dieser Ledermantel nicht war er ein Nazi oder Massenmörder gehörte
01:32:45: sondern
01:32:46: war eventuell aus einem Leder sein können das man nicht verschicken und pärnen.
01:32:51: War aber nicht ein normaler Hirschleder und ich habe ihn mitgenommen.
01:32:55: Und sofort als Vogelscheuge aufgestellt.
01:32:58: Leider sind alle Vögel anscheinend Nazi, weil sie kümmern sich einen Dreck drum.
01:33:09: Das ist eigentlich die falsche Pointe, aber egal was ist gut!
01:33:13: Vielen Dank nochmals Niklas Frank, das war ja lehrreich... Angenehm und auch lustig.
01:33:19: Sie haben sich eine gewisse Heiterkeit erhalten, das freut mich sehr ... Das
01:33:23: Leben ist stärker!
01:33:26: Das Leben is stärker.
01:33:29: Was ist da auch ein gutes Schlusswort?
01:33:30: Danke Ihnen!
01:33:36: Das war NZZ Live.
01:33:38: Vielen Dank fürs Zuhören.
01:33:40: Besucht unsere NZZ live-Veranstaltungen gerne vor Ort.
01:33:44: Wir laden euch herzlich zum Denken, Fragen und mitdiskutieren.
01:33:49: Alle Infos zu den Tickets und zum aktuellen Programm findet ihr hier in den Show Notes.
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